Es sind schlechte Zeiten für Superhelden. Kein Mensch will Hoax  verlegen , Hennings Superhelden-Comic. Stattdessen kritzelt Henning endlose Bilder des Proletenmännchens Werner für einen Zeichentrickfilm. Er hat sich damit abgefunden.

Auch damit, dass seine Freundin Martha immer wieder abhaut. Einmal im Jahr verlässt sie die gemeinsame Berliner Altbauwohnung, fährt irgendwohin und kommt nach einer Woche wieder zurück. Das Ziel ist Martha egal, sie will nur den Kopf leer bekommen. "Yoga wäre billiger", findet Henning. Aber dann wartet er doch zu Hause auf sie und kocht ein Fünf-Gänge-Menü. "Du bist die beste Ehefrau der Welt", sagt Martha.

Jon will auch niemand haben. Er sieht zwar umwerfend aus, dennoch ist er immer noch Schauspieler der Kategorie C, "selten mehr als zwei bis drei Drehtage im Monat, und das auch nur im Sommer". Jon denkt in letzter Zeit oft daran, mal seine Mutter anzurufen.

Und dann Betty. Marthas Freundin, die gerne laut Musik hört, vor allem, wenn sie betrunken ist. Betty denkt nicht nach, bevor sie handelt. Sie wirft ihr Handy vor Wut aus dem Fenster, zerschneidet aus Liebeskummer ihre Matratze. Dumm nur, dass der Rücken die Nächte auf der Isomatte plötzlich nicht mehr mitmacht.

Die Protagonisten in Lucy Frickes Roman Ich habe Freunde mitgebracht haben viel gearbeitet, gefeiert und geliebt. Wollten mehr vom Leben als die anderen. Eben nicht die Jugendliebe heiraten und auf trautes Heim machen, eben kein "perfekt kontrolliertes Glück", sagt Betty.

Doch nun, mit Mitte, Ende Dreißig, wenn die Bandscheibe schon schmerzt und der Alkohol auch, taucht plötzlich dieses Bild wieder auf: "Kinder, Haus, Garten." Und mit ihm der Gedanke, ob es denn nicht doch besser gewesen wäre, den anderen Weg zu nehmen. Den sicheren, den mit der Festanstellung. Und die Frage, was Träume eigentlich bringen, wenn sie verdammt noch mal nicht in Erfüllung gehen.

Fricke erwischt ihre Protagonisten an einem Punkt ihres Lebens, an dem sie merken, dass ihre besten Zeiten womöglich schon hinter ihnen liegen. Sie müssen sich eingestehen, dass sie im Alltagsgerenne das große Ganze aus den Augen verloren haben. Henning ist mehr Zeichenroboter als Comic-Erfinder, Jon spielt vor allem Leichen, Betty ist beim Film dafür zuständig, dass die Übergänge stimmen, und Martha liest als Nachrichtensprecherin im Radio nur Meldungen vor, die sie zutiefst anöden.

Fricke, Jahrgang 1974, beschreibt ihre eigene Generation auf eine sehr abgeklärte Weise. Sie zeichnet ein Bild von vier typischen Großstadtbewohnern, die in sogenannten Kreativberufen arbeiten, aber schon seit langer Zeit aufgehört haben, sich zu fragen, was sie da eigentlich machen. Es ist eine Generation, die mit der Überzeugung groß wurde, ihr stünden alle Möglichkeiten offen. Jetzt stellt sie fest, dass sie sich in Wahrheit noch nie wirklich für etwas entschieden hat. Alles passiert einfach so, man nimmt es mit, man nimmt es an. Man findet sich damit ab.

Die Figuren werden nicht geschont. Zunächst kommt das große Glück: Martha wird schwanger, Henning findet einen Verleger für seinen Comic, Jon bekommt die Rolle seines Lebens angeboten. Dann fallen sie umso härter. Erst als alle Lebensträume gescheitert sind, sind die vier so weit, endlich eine Wahl zu treffen.