Die langjährige Kollegin und Freundin Pastiors, Herta Müller, hat enttäuscht auf neue Spitzelvorwürfe gegen den Schriftsteller reagiert. Die Berichte, nach denen Pastior in den sechziger Jahren Autorenkollegen für den rumänischen Geheimdienst Securitate bespitzelt habe, hätten ihr Bild Pastiors verändert, sagte die Literaturnobelpreisträgerin.

In einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte der rumänisch-deutsche Autor Dieter Schlesak am Dienstag über Pastiors Securitate-Akte berichtet. Darin habe er einen Spitzelbericht von Otto Stein gefunden, wie der Deckname Pastiors lautete. Pastior, der 2006 starb, habe es geschafft, "mich als Freund spielend auszuhorchen", sagte Schlesak, der in den sechziger Jahren Redakteur der Zeitschrift Neue Literatur war. Der Autor habe offenbar auch die "Tragödie" um den ebenfalls bespitzelten siebenbürgischen Dichter Georg Hoprich zu verantworten. Dieser war ständig von der Securitate verfolgt worden und hatte sich im Jahr 1969 das Leben genommen.

Die Literaturnobelpreisträgerin Müller sagte, sie sei "entsetzt" über die neuen Berichte. "Ich werde ihn nicht mehr in Schutz nehmen können und diese neuen Fakten entsprechend einordnen müssen", sagte Müller. Mitte September hatte der Direktor des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südeuropas in München, Stefan Sienerth, erstmals über Pastiors Zusammenarbeit mit der Securitate berichtet.

Müllers Buch Atemschaukel , das unter anderem auf Pastiors Erinnerungen an die Gefangenschaft in einem sowjetischen Lager beruht, hätte sie so nicht geschrieben. "Es wäre zu der Zusammenarbeit mit Oskar Pastior wohl nicht gekommen, wenn ich von seiner Verstrickung mit der Securitate gewusst hätte", sagte die 57-jährige Autorin.

Literaturexperten sprachen sich für eine Neubewertung des Autors aus. Sollte es stimmen, dass der Büchner-Preisträger seinen Kollegen und Freund Georg Hoprich für den rumänischen Geheimdienst Securitate bespitzelt hat, "dann ist nichts mehr Rettendes über Oskar Pastior in irgendeiner Weise vorzubringen", sagte der Herausgeber von Pastiors Werken, Ernst Wichner, im Deutschlandradio Kultur. Auch Sienerth befürwortete eine Neubewertung. Bislang war er der Meinung gewesen, Pastior habe sich aus Angst zur Zusammenarbeit mit der Securitate zwingen lassen, sei aber dabei bedacht gewesen, möglichst niemandem zu schaden. "Diese Ansicht muss ich nun revidieren", sagte Sienerth der FAZ . Sienerth mahnte zur Behutsamkeit im Umgang mit dem Fall, bis weitere belastende Schriftstücke auftauchen.