Eine bunte Truppe war das, die sich da nach dem Zweiten Weltkrieg als Beat Generation formierte. Ekstatiker und Transzendentalpoeten, die mit ihrem kackfrechen, lautstarken Widerstand gegen den gesellschaftlichen Neo-Biedermeier und den sich selbst berauschenden Staat eine Weile die amerikanische Öffentlichkeit und die Behörden beschäftigte. Ihre literatur- und kulturgeschichtliche Bedeutung ist unumstritten.

Die Beats erweiterten mit ihrer Zügellosigkeit, ihrer Forderung nach hedonistischer Daseinssteigerung und individueller Entfaltung nicht nur die Ästhetik jener Jahre. Sie waren zugleich Vorbilder für eine sich der kapitalistischen Mühle widersetzenden Opposition. Und sind es bis heute. Immer wenn der an der wirtschaftlichen Konjunkturkurve angedockte Zeitgeist einmal mehr ganz unten ist und sich die große Frage stellt, wo das noch alles hingehen soll, dann erinnert man sich gern an die Beats und ihre Posen.

Gerade ist es offenbar mal wieder so weit. Kürzlich wurde Naked Lunch neu übersetzt; die frühe Kollaboration von William S. Burroughs und Jack Kerouac Und die Nilpferde kochten in ihren Becken , eigentlich etwas für Kenner und Literaturhistoriker, bekam außerordentlich viel Aufmerksamkeit und Rückenwind durch die Rezensenten. Dann erschien "The Original Scroll" von On the Road . Noch so ein Buch, das ja eigentlich keiner so recht braucht, weil jeder den mehrmals von Kerouac überarbeiteten und ziemlich verbesserten Text Zuhause im Regal stehen hat. Aber Rowohlt schien sich da offenbar was auszurechnen.

Dass die Beats außer Eskapismus (kunstreligiös, buddhistisch, auf Drogen oder sexuell) eigentlich nicht so viel zu bieten haben, dass sie reaktionäre Zivilisationsskeptiker, Renegaten ohne klare politische Ziele waren, kann man in diesem Zusammenhang vielleicht auch einmal erwähnen, ohne sie gleich desavouieren zu wollen. Man darf von Künstlern wohl auch nicht mehr erwarten als Kunst.

Und schon gar nicht darf man, am wenigsten im Falle der Beat-Zentralgestalten, das Private gegen das Werk ausspielen. Kerouac entwickelt sich vom libertinären Hedonisten mit den Jahren des Erfolgs und des Suffs zum antisemitischen Redneck. Burroughs erschießt seine Frau im Tran und flüchtet, nachdem ihn Ginsberg als Liebhaber abgewiesen hat, nach Tanger, um dort den Wonnen der Päderastie zu frönen. Und Allen Ginsberg schließt sich dem buddhistischen Guru Chögyam Trungpa an und rechtfertigt ihn auch noch, als der sich bereits mit autoritärem Sektierertum unmöglich gemacht hat; ohnedies konnte einem sein öffentlich zur Schau gestelltes Frömmlertum mit der ewigen Mantra-Absingerei schwer auf die Nerven gehen. Aber da war eben auch immer dieses inkommensurable Werk, das man viel zu oft auf die drei kanonischen Texte Naked Lunch , Howl and other Poems und On the Road reduziert hat.

Der kürzlich verstorbene, mit seiner American Splendor -Serie als Szenarist berühmt gewordene Harvey Pekar hat im vergangenen Jahr einen sehr schönen Sachcomic über die Beat-Bewegung publiziert, der nun auch auf Deutsch erschienen ist. Man kann The Beats als Einführung in den Themenkreis nur empfehlen. Pekar ist ganz gut informiert, und mit Unterstützung einiger Zeichner und noch ein paar weiterer Texter, werden hier nicht hagiografisch, aber doch mit sichtlich viel Sympathie für die Protagonisten die Lebensgeschichten hinter den Büchern erzählt. Gut die Hälfte des Buches füllt das Dreigestirn Burroughs, Kerouac und Ginsberg.

Mit Mut zur Lücke, griffig und kompakt skizziert Pekar ihre Vita und lässt auch die durchaus problematischen Seiten seiner Helden nicht unter den Tisch fallen. Dass er keine wirkliche Werkexegese liefern kann, stört nicht so sehr, eher schon ein paar Redundanzen. Da er The Beats praktischerweise als Porträtgalerie angelegt hat, ist er gezwungen, wichtige Begebenheiten mehrmals zu erzählen. Die Lesung in der Six Gallery etwa, eine der Gründungsveranstaltungen der Beats, die Ginsberg sofort zum Star macht, wird zu so einer Art Refrain des Buches.