Der diesjährige Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa hält Literatur für das Tor zu weltweiter Brüderlichkeit und die liberale Demokratie für den einzig wirksamen Schutz vor Terror. Drei Tage vor der Entgegennahme des berühmtesten Literaturpreises der Welt rief er in der traditionellen Nobelvorlesung für die Schwedische Akademie zur kämpferischen Verteidigung der Demokratie gegen Fanatiker, Terroristen und Selbstmordattentäter als "Schrecken unserer Zeit" auf.

Der 74-Jährige warnte vor globalen Gefahren durch Fanatiker: "Neue Formen der Barbarei wuchern, vom Fanatismus geschürt. Angesichts der vehementen Zunahme von Massenvernichtungswaffen ist nicht auszuschließen, dass irgendeine obskure Gruppe wahnwitziger Erleuchteter eines Tages eine nukleare Katastrophe auslöst." Zugleich setzte sich der Autor von nationalistischen Strömungen als "unverbesserlicher Plage der modernen Welt" ab.

Als Mittel gegen diese Konflikte setzt Vargas Llosa die Literatur: "Sie schafft eine Brüderlichkeit innerhalb der menschlichen Vielfalt und lässt Grenzen verschwinden, die Ignoranz, Ideologien, Religionen, Sprachen und Dummheit zwischen den Menschen errichten."

Im Saal des alten Stockholmer Börsenhauses schilderte der Peruaner seinen eigenen Werdegang zum Literaten von Weltrang – von der ersten Leseerfahrung als Fünfjähriger über den Wandel vom jungen Sozialisten und Marxisten zum Liberaldemokraten bis hin zu seinem Selbstverständnis als "Weltbürger" mit zahlreichen Wohnorten auf mehreren Kontinenten. Dabei, so berichtete Vargas Llosa, sei die Bedeutung der "Meister" nicht zu überschätzen. Er nannte mehr als ein Dutzend durchweg männliche Vorbilder von Gustave Flaubert über Thomas Mann bis zu George Orwell.

Auch seiner Ehefrau Patricia huldigte der Nobelpreisträger mit einem Dank vor allem für praktischen Einsatz in 45 gemeinsamen Jahren: "Sie nimmt sich der Probleme an, verwaltet die Finanzen, bringt Ordnung ins Chaos, hält Journalisten und Eindringlinge fern, verteidigt meine Zeit, legt Termine und Reisen fest, packt Koffer ein und ist großzügig."

Vargas Llosa bekommt seinen Nobelpreis am kommenden Freitag im Stockholmer Konzerthaus zusammen mit den Preisträgern für Medizin, Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaften von Schwedens König Carl XVI. Gustaf überreicht. Die Nobelpreise sind mit jeweils zehn Millionen Kronen (1,1 Mio. Euro) dotiert.