Ein junger, unsicherer Lehrer, der schwitzt und stottert, wenn er seine blonde Kollegin sieht. Ein kugelrunder, schwer gehemmter Streber, so überfordert von der Pubertät, dass er im Schulkeller das Tor zu einer fremden Dimension aufstoßen will. Eine Schülerin, verwöhnt, verdummt, süchtig nach schlechtem Sex und Diätpillen. Und ein Schulhofdealer, der online recherchiert, wie man am besten Mädchen betäubt, um sie zu vergewaltigen.

Skippy stirbt , Paul Murrays 780 Seiten dicker Pubertäts- und Internatsroman, zeigt eine klamme, veraltete katholische Privatschule am Stadtrand Dublins und folgt, in sechs bis zehn wechselnden Perspektiven, einer losen Gruppe Vierzehnjähriger, von knöchrigen Patronen schikaniert, vom windigen neuen Direktor angefeindet, vom Rest der Welt missachtet, falsch verstanden, ignoriert. Dabei liest sich der Roman wie ein trostloses Gegenstück zu Harry Potter , oder wie Unendlicher Spaß , wenn es von Achtklässlern für Achtklässler geschrieben worden wäre. Armselige Figuren. Bequeme Zufälle. Naive Ängste. Hässliche Tricks.

Carls Eltern haben wenig Zeit und machen ihm teure Geschenke, also flüchtet er sich in die brutale Welt der Killerspiele und Netz-Pornos und wird kriminell! Der eitle Ruprecht behauptet, seine Eltern seien berühmte Forscher und im Ausland verstorben – doch natürlich haben sie in Wirklichkeit eine Kanalreinigung! Und Lori, das einzige wichtige Mädchen im Buch, ist magersüchtig und hat kein Selbstbewusstsein. Doch ihre Mutter lädt sie zum Friseur ein und sagt, sie hat das Zeug zum Supermodel!

Was wird aus Kindern, die sich täglich vor Autoritäten beugen müssen? Die passiv bleiben, schweigen und auswendig lernen, statt selbst zu denken? Reihum zeigt jede Szene des Romans, wie die wechselnden Hauptfiguren stumm, passiv, planlos (und: leider recht unsympathisch) durch ihre Schule trotten, sich bedrohen und beschimpfen lassen.

Rhythmus und Tempo werden dabei nicht von den Figuren selbst bestimmt, sondern von einer Reihe erzwungener Schulveranstaltungen, die allesamt misslingen: ein schreckliches Kostümfest, ein Schwimmwettkampf, auf den sich keiner freut, eine verregnete Exkursion, ein Schulkonzert, das ins Wasser fällt. Am Ende brennt der Schlafsaal ab. Handlung ist dabei relativ.