Mittwoch, 19:00 Uhr: Um 5.00 Uhr bin ich mit meinem Bus in Bünde, Westfalen Richtung Osten gestartet. Also war Zeit genug, um noch etwas Berlin zu genießen. Jetzt sitze ich beim Schnitzel und allmählich steigt der Puls. Auch, wenn auf dem Papier alles klar ist: Ausgestattet mit einer Sondergenehmigung der Messe, darf ich morgen mit dem Bus bis direkt vor den Haupteingang fahren. Dort lade ich um 14.30h zur bequemsten Lesung der Messe – in meinem 4-Sterne-Reisebus. Wird schon alles klappen.

Donnerstag, 8:00 Uhr: Im grauen Nieselregen warte ich am Zentralen Omnibusbahnhof in Berlin auf meine Fahrgäste. Ich habe Berliner Buchhändler, Journalisten und andere Autoren eingeladen, mich kostenlos auf dieser Tour zu begleiten. Natürlich habe ich denen längst frischen Café aufgebrüht. Mein 40-Sitzer (2 Achsen, 500 PS) füllt sich, die Laune der Buchleute steigt. Sieht aus, als wären die sonst nicht so früh auf den Beinen.

10:30 Uhr: Wir sind in Leipzig an der Messe und fahren durch bis zum Haupteingang. An allen anderen vorbei, wie die Staatsgäste. Es sind schon sehr viele Leute hier. Schnell hängen wir ein paar Banner auf und verteilen die mitgebrachten Flyer.

12:00 Uhr: Wir sind mittendrin. Überall sind Lesebegeisterte und Autoren und – meinem Riesen-Gefährt sei Dank – ich komme mit vielen Besuchern ins Gespräch. Der ORF fragt uns nach Strom. Sie wollen hinter uns Simon Beckett interviewen, sind aber nicht so gut vorbereitet. Natürlich helfen wir gerne mit einer Kabeltrommel – im Austausch gegen ein kurzes Statement für deren Kamera. Mal sehen, ob sie es senden.

13:00 Uhr: Viele Leute wollen wissen, ob mir als Self-Publisher das Risiko nicht zu groß wäre. Dabei habe ich gar keins. Die Bücher werden immer erst dann gedruckt, wenn über den Buchhandel oder Amazon eine Bestellung eingeht. Demnächst mache ich zusätzlich noch eine eBook-Ausgabe.

14:20 Uhr: Die letzten Momente vor der Lesung. Die Aufregung steigt und ich gehe meine Notizen nochmals durch. Schon toll, dass tatsächlich so viele Leute wegen meinem Buch gekommen sind. Auch das ARD Nachtmagazin und der MDR Sachsenspiegel sind hier, um zu filmen. Die Kameraleute diskutieren, wer gleich zuerst aus welcher Richtung filmen darf.

14:40 Uhr: Wochenlange Vorbereitungen, unzählige Telefonate und: inzwischen schon etwas Herzklopfen. Jetzt gilt’s! Meine allererste Lesung beginnt. Im gut gefüllten Bus präsentiere ich mein Buch Busreisen machen glücklich auf der Leipziger Buchmesse 2011! Die Passagen, die ich ausgesucht habe, scheinen ganz gut anzukommen. Ich habe sie so ausgesucht, dass man merkt, wie lustig oder skurril es auf meinen Touren manchmal zugeht. Gleichzeitig sollen die Zuhörer aber auch merken, dass ich meine Fahrgäste grundsätzlich sehr gerne habe.

15:30 Uhr: Nach der Lesung ist vor dem Interview. Das ARD Nachtmagazin möchte noch ein Interview. Die Journalistin will wissen, warum ich mich nicht der Vermarktungsabteilung eines Verlages anvertraue. Weil ich glaube, dass die sich nur um ihre Top-Titel kümmern. Und weil ich die Dinge lieber selbst in die Hand nehme. Zudem bleibt für mich per Self-Publishing ein Vielfaches des sonst üblichen Autorenhonorars.

16:00 Uhr: Auch ein Mann von der Presseagentur dapd findet meine Aktion so gut, dass er bis jetzt wartet, um mir ein paar Fragen stellen. Dann ist der große Ansturm vorbei. Wir sind wieder unter uns. Jetzt fehlt nur noch, dass die ersten Autogramm-Jäger kommen.

17:30 Uhr: Mit meinen Fahrgästen rolle ich zurück nach Berlin. Der Tag war noch viel besser als erhofft! Schade, dass in Frankfurt erst im Herbst Messe ist.

23:30 Uhr: Endlich Zurück auf dem Hof in Bünde. Ich schließe den Bus ab und setze mich in mein Auto. Was für ein Trip. Ein bisschen freue mich jetzt auch schon, übermorgen wieder auf eine ganz normale Tour zu starten. Diesmal mit Lehrern an das Nordkap.

Jens Bergmann: Busreisen machen glücklich. epubli, 2011; 144 S., 15,90 Euro