Alles ganz schön viel für erzählte 24 Stunden. Auch, das legt die Biografie des Autors nahe, hat Hanekamp ein Stück seiner eigenen Geschichte in seinem Buch verarbeitet. Er selbst war der Gründer des fabelhaften Hamburger Clubs Weltbühne, der 2005 schließen musste. Das ist der Ausgangspunkt seines Buchs. Der Spannung wegen verdichtet mit Kiezfolklore, lokalen Musikergrößen, einer Ganovenstory, amourösen Wehwehchen, unerwarteten Perspektivwechseln und Listen über so manches. Zum Beispiel: "Anleitung zur Gründung einer Event Location mit cash-flow-fixierter Entertainmentgastronomie und integrierter Work-Life-Balance-Solution"

Das hat durchaus seine Momente. Besonders den zu Tode verkaterten Subkulturbetrieb mitsamt seiner kindischen Exzentrik vermag Hanekamp charmant zu schildern. In den Dialogen findet sich einiges an hanseatisch klimatisierter Komik, die zumal dann wirkt, wenn Oskar wieder einmal mit der Realität kollidiert. In Gestalt einer Faust, eines Autos oder gleich der Hamburger Innensenatorin, die man sich als Mischung aus Ronald Schill und Alice Schwarzer vorstellen muss. Die meiste Zeit liest es sich so, wie Udo Lindenberg es bereits aufs Cover genuschelt hat: "Das knallt gut los."

Und auch wenn Knallen kaum das einzige Kriterium eines Romans sein sollte, die Handlung vorhersehbar und zugegebenermaßen unterkomplex ist: Als Konzept funktioniert dieses Vollekraftvoraus hier ziemlich gut. Als vorwärtserzähltes Protokoll des letzten Tages, bevor der Traum des wilden Lebens zerbricht und die Champagnerflaschen geleert sind. Dass das nicht ohne eine gewisse Theatralik geschieht, sollte klar sein. Also wird gesoffen, geraucht, getanzt, geknutscht, gevögelt und geredetredetredet, wie es der Ernst der Lage erfordert. Aus solchen Zutaten entsteht selten große Literatur. In diesem Fall immerhin gelungene Unterhaltungsprosa.