Der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu hat sich nach Deutschland abgesetzt. Seine Flucht folgte auf massiven Druck chinesischer Behörden, sein neues Buch über seine vierjährige Haftzeit nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 nicht im Ausland zu veröffentlichen. "Ich suche die Freiheit, schreiben und veröffentlichen zu können", sagte Liao Yiwu.

Um ausreisen zu dürfen, habe er sich zum Schein auf das Publikationsverbot eingelassen. "Jetzt ist alles in Ordnung, jetzt bin ich in Berlin", sagte der Autor. Er rechnet vorerst nicht damit, nach China zurückkehren zu können. "Erst nach einer Weile, wenn sich die Situation geändert hat", sagte Liao Yiwu. "Es ist auf jeden Fall mein Wunsch. Ich denke, dass ich sicher lange Zeit im Ausland bleiben werde, aber ich will zurück gehen."

Das Buch Für ein Lied und hundert Lieder - Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen soll am 21. Juli erscheinen. Der Schriftsteller ist in Deutschland vor allem für sein Buch Fräulein Hallo und der Bauernkaiser bekannt. Nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 hatte Liao Yiwu wegen seines Gedichts Massaker vier Jahre in Haft gesessen. Seine Werke sind in China verboten, doch es kursieren viele Raubkopien.