Das Angebot von Bastei Lübbe an den insolventen Eichborn-Verlag sei noch nicht unterschriftsreif, aber akzeptabel und beinhalte alle wesentlichen Eckdaten, sagte der Insolvenzverwalter Holger Lessing in Frankfurt am Main. "Wir sind auf dem Weg der Rettung – Eichborn ist nicht verloren", sagte er. Neben Bastei Lübbe hatten nach Angaben des Insolvenzverwalters zuletzt noch zwei weitere Verlage Interesse an dem angeschlagenen Frankfurter Unternehmen signalisiert.

"Ich bin sicher, dass Bastei Lübbe und Eichborn gut zusammenpassen werden, wir haben ähnliche Verlagsphilosophien", sagte der Verleger Stefan Lübbe. Ausgenommen von der geplanten Übernahme sind die Eichborn-Sparten Die andere Bibliothek und Motomania, die gesondert abgewickelt werden. Für die kommenden Tage kündigte Lübbe Gespräche mit den rund 20 Mitarbeitern des Eichborn Verlags an.

Erst vor wenigen Tagen hatte der größte familiengeführte Publikumsverlag aus einer Unternehmensanleihe 30 Millionen Euro erhalten, die er auf seinem Wachstumskurs für Übernahmen verwenden will. Der jetzige Kauf von Eichborn habe aber nichts mit der Anleihe zu tun, "sondern findet außerhalb der geplanten Akquisitionen statt", hieß es in einer Stellungnahme. Zuletzt hatte Bastei Lübbe unter anderem seinen Kinder- und Jugendbuchbereich durch den Ankauf von Baumhaus (2009) und des Boje Verlags (2010) ausgebaut.

Eichborn, der einzige börsennotierte Publikumsverlag in Deutschland, hatte Mitte Juni wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz angemeldet. Im September hatte der vorläufige Gläubigerausschuss ein Angebot des Aufbau-Verlegers Matthias Koch abgelehnt.

Seit seiner Gründung im Jahr 1980 gehört das Unternehmen  zu den schillerndsten Verlagen in der Republik. Zum Star wurde Walter Moers (Käpt'n Blaubär, Das kleine Arschloch), der 1984 als unbekannter Zeichner ein Manuskript unverlangt eingeschickt hatte. 2003 ging Moers zu Piper.

Ab 2008 geriet der Verlag in finanzielle Schwierigkeiten. Eichborn erlitt Millionenverluste, musste Personal abbauen und die Zahl der Titel reduzieren. Seinem Image als Stehaufmännchen der Branche wurde der Verlag aber auch zuletzt wieder gerecht: Trotz der Turbulenzen um seine Zukunft brachte der Verlag ein Herbst-Programm mit 51 Titeln auf den Weg.