Der Schriftsteller Friedrich Christian Delius ist mit dem renommierten Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet worden. Der 68-Jährige sei ein "kritischer, findiger und erfinderischer Beobachter, der in seinen Romanen und Erzählungen die historischen Tiefendimensionen unserer Gegenwart auslotet", begründete die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung ihr Urteil während der Feier anlässlich er Übergabe des Preises in Darmstadt. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland und wurde zum 60. Mal verliehen.

Bundestagspräsident Norbert Lammert lobte in einem schriftlichen Glückwunsch die Literatur von Delius: "Sie belohnt uns mit genauen Einblicken und nachdenklichen Ausblicken eines aufgeklärten Skeptikers." Delius schrieb in über 40 Jahren zahlreiche Werke. Sie führen durch die Vorgeschichte der NS-Zeit und über die Teilung Deutschlands bis in die Gegenwart. "Wir ehren hier einen integren Mann und einen Schriftsteller, der mehr als nur ein heißes Eisen angefasst hat und dabei kühlen, will heißen: klugen Kopf bewahrt hat", sagte die in Stuttgart geborene Autorin Sibylle Lewitscharoff in ihrer Laudatio.

Delius ging in seiner Dankesrede vor annähernd 1000 Gästen auch auf Aktuelles ein. Applaus erhielt er für die Äußerung: "Wo schwanken die Fundamente denn nicht? So viel emotionaler, rechthaberischer Aufwand für Bahnhöfe, aber wenn es um die Abschaffung der Demokratie geht vor unserer Haustür in Ungarn und in Italien, warum herrscht dann das große Gähnen?"

Autor der 68er Generation

Der Preisträger, verkürzt FC Delius genannt, wurde am 13. Februar 1943 in Rom geboren, wuchs aber in Hessen auf und lebt heute in Rom und Berlin. Delius gilt als Autor der 68er Generation. Schon als Schüler veröffentlichte er erste Gedichte. Er studierte in Berlin an der Freien Universität und der Technischen Universität Germanistik und promovierte anschließend. In seinen Werken thematisierte er unter anderem die politischen Auseinandersetzungen in den siebziger Jahren, etwa in Deutscher Herbst oder Mogadischu Fensterplatz. Er verfasste auch Erzählungen wie Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde und Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus. Zu seinen beliebtesten Büchern gehört der autobiographische Roman Mein Jahr als Mörder.

Während der Feier ging es auch um zwei andere Preise, die jeweils mit 12.500 Euro dotiert waren. Der Historiker Arnold Esch nahm den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa in Empfang, der Schriftsteller Günter de Bruyn konnte wegen einer Erkrankung nicht anreisen. Ihm war der Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay zuerkannt worden.

Im vergangenen Jahr erhielt der Berliner Schriftsteller Reinhard Jirgl den Georg-Büchner-Preis. Zu früheren Preisträgern gehören unter anderem Friedrich Dürrenmatt, Heinrich Böll, Erich Kästner, Günter Grass, Elfriede Jelinek, Wilhelm Genazino, Brigitte Kronauer und Martin Mosebach.