Josh Weil ist ein Spezialist für die Einsamkeit. Und als solcher weiß er, dass man keineswegs allein sein muss, um sich einsam fühlen zu können. Stillman Wing zum Beispiel lebt mit Blueberry zusammen. Blueberry ist seine Tochter. Sie ist nicht dick, sondern fett. Damit sie ein Bad nehmen kann, bedarf es einer speziellen Vorrichtung. Die Treppe knarrt unter Blueberry, die in Wahrheit Caroline heißt. All das schreckt die Männer nicht ab, jedenfalls eine spezielle Form von Männern.

Fast jede Nacht bringt sie einen mit, einen "Ficker", wie Stillman diese Leute für sich selbst nennt. Und er leidet darunter. 71 Jahre alt ist er zu Beginn der Erzählung, in deren Verlauf sich Minuten wie Jahre anfühlen können und die Jahre vorbeifliegen, ohne dass man sich dessen so recht bewusst wird. Stillmans Arbeitsgeber, der Sohn eines alten Freundes, ein Farmer, hat ihn vor die Tür gesetzt und nennt das auch noch "Ruhestand". Seitdem feiert Stillmann eine große Rausschmissparty mit sich selbst.

Die Novelle Das neue Tal trägt im Original den schlichten Titel Stillman Wing . In den USA ist sie Teil einer noch nicht ins Deutsche übersetzten Novellensammlung, wie Weils erstes auf Deutsch erschienenes Buch Herdentiere Teil einer anderen Novellensammlung ist. Es gibt also von diesem Autor, 1976 in den Blue Ridge Mountains geboren, mindestens zwei in Deutschland nur fragmentarisch erhältliche Bücher. Der Rest muss her, aber schnell. Stillman Wing ist ein Verwandter im Geiste von Osby Caudill, dem Protagonisten aus Herdentiere , wenn auch Stillman doppelt so alt ist. Eremiten sind sie beide, lebensscheu, zurückgezogen, ohne Zuwendung und auch auf eine gewisse Weise sozial dysfunktional.

Der Mensch ist entfremdet von seiner Umwelt

Die Kargheit der Landschaft in der Psyche seiner Figuren zu spiegeln, ohne dabei in raue Männerklischees zu verfallen, ist eine der vielen Fähigkeiten, die Weil besitzt. Beide, Osby in Herdentiere und Stillman in Das neue Tal , verbeißen sich in ein Projekt. Bei Osby ist es die Rettung eines kranken Stieres. Stillman klaut, als letzte Arbeitshandlung sozusagen, einen Deutz-Traktor, der das gleiche Baujahr hat wie er selbst, 1928, schleppt ihn in die Scheune seines Hauses und haucht ihm in jahrelanger Tüftelei neues Leben ein.

Die vom Autor selbst angefertigten Zeichnungen, die den Text ergänzen, mag man in diesem Zusammenhang beinahe diabolisch nennen. Denn nur, wenn man genau hinguckt, sieht man, dass Weil einzelne technische Details in den Zeichnungen des Deutz durch menschliche Körperteile ersetzt hat – eine Kraftmaschine aus Schädel, Elle, Speiche, Gehirn und Augen.