Allein schon die Produktions- und Publikationsgeschichte dieses Buches ist einen eigenen Roman wert: Im Jahr 1963 schrieb der 25-jährige John Kennedy Toole während seines Militärdienstes in Fort Buchanan, Puerto Rico , einen Roman über einen stark übergewichtigen, schwulen und zu Wutanfällen neigenden Außenseiter, der sich selbst als Stachel im Fleisch der zivilisationskranken Gesellschaft begreift und ganz nebenher noch einen aussichtslosen Kampf gegen seine dominante Mutter führt. Bliebe noch zu erwähnen, dass John Kennedy Toole selbst ein schwuler Außenseiter war, der einen aussichtslosen Kampf gegen seine dominante Mutter führte.

Toole schickte sein Werk als unverlangt eingesandtes Manuskript an den renommierten Verlag Simon and Schuster. Dessen Cheflektor Robert Gottlieb fand Gefallen an der Sprache, an der Komik, am Talent des Jungautors, hatte allerdings auch einige gravierende Einwände gegen den Roman in seiner Gesamtkomposition. Enttäuscht und eingeschüchtert von der Fundamentalkritik, ließ Toole den Roman in der Schublade verschwinden. Am 26. März 1969 fand man am Rand einer Bundesstraße in Mississippi einen Chevrolet , von dessen Auspuff ein Gartenschlauch ins Wageninnere führte. Darin saß ein, wie überliefert ist, tadellos gekleideter John Kennedy Toole, der seinem Leben selbst ein Ende gesetzt hatte.

Fünf Jahre später stieß Tooles Mutter auf das Manuskript des Romans, begann, Verlage abzuklappern und brachte den Text schließlich bei einem Kleinverlag namens Louisiana State University Press unter, wo die Verschwörung der Idioten 1980 erschien. Kurz darauf erhielt John Kennedy Toole den Pulitzer-Preis, der zum ersten Mal in seiner Geschichte posthum vergeben wurde. Die Verschwörung der Idioten wurde seitdem mehr als 1,5 Millionen Mal verkauft.

Die tragische Episode von Scheitern und spätem Erfolg erzählt der Schriftsteller Alex Capus im Nachwort seiner Neuübersetzung von Tooles Roman, der bereits in den frühen Achtzigern erstmals auf Deutsch erschien, ohne seinerzeit allzu große Spuren hinterlassen zu haben. Die nun ermöglichte Neu- oder Erstlektüre beweist zweierlei. Erstens: John Kennedy Toole war ein Autor mit ungeheurem Witz, Gespür für Situationskomik, satirischem Potenzial und bösartiger Schärfe. Zweitens: Robert Gottlieb, der Cheflektor von Simon und Schuster, hatte seinen Beruf durchaus nicht verfehlt.

Denn selbstverständlich ist das Buch viel zu lang und gespickt mit Redundanzen; selbstverständlich ist das Personal des Romans nicht elegant miteinander verknüpft, sondern nur auf das Notdürftigste zusammengehämmert; selbstverständlich handelt es sich um einen Text, der noch einiger Arbeit bedurft hätte, um als gelungen im handwerklichen Sinne durchgehen zu können.

Und dennoch: Was Tooles Antiheld Ignatius J. Reilly mit seiner Jagdmütze auf dem Kopf, seinen pomadigen Haaren, seinem Schnurrbart, seiner Fettleibigkeit, seiner Trägheit und seiner Hypochondrie der auf Funktionieren getrimmten Leistungsgesellschaft entgegensetzt, ist eine anarchische Form der tiefen Einsicht in die herrschenden Verhältnisse, die diese als lächerlich und aufgeblasen entlarvt.