Marc Fischer konnte anhand von sechs Bieren das Sehnen nach ewiger Jugend erzählen. Er konnte den Verzehr eines Käsekuchens zu einem Bild beruhigender Normalität verdichten. Er konnte einen Balkon als einen Ort der Seligkeit beschreiben, sodass man ihm einfach glauben musste. Was immer noch schwer zu glauben ist: Dass dieser Einstieg im Präteritum stehen muss. Denn Marc Fischer, der ungemein wache und gewandte Reporter, verstarb im vergangenen Jahr unter tragischen Umständen . Er war erst 40.

Und wenn man sein Schlusswort des jüngst erschienenen schmalen Bändchens liest, in dem uns das Bier, der Balkon und der Kuchen begegnen, könnte man einmal kurz zusammenzucken. Dort, am Ende einer Friedhofsbegehung, steht: "Das war ein sehr schöner Tod." Es gibt einige Anlässe während der Lektüre von Für immer sexy melancholisch zu werden. Das liegt nicht nur an diesem, womöglich vom Herausgeber so hinkomponierten letzten Satz. Es liegt auch an dem Grundton der elf Texte, die das Buch enthält. Die Reportagen, die Essays und kurzen Erzählungen, die in einem Zeitraum von sechs Jahren im Schweizer Magazin Nexus veröffentlicht wurden, wirken wie von einer sanft wogenden Wehmut grundiert, gemischt mit scheinbar unendlichem Erfahrungs- und Wirklichkeitshunger. Reiseerlebnisse ohne Weltenbummlerstolz.

Erkundungsfahrten sind die vorliegenden Texte im weitesten Sinn. Sie erzählen vom Ankommen und Schondasein, vom Verlieren und sich dabei Wiederfinden, zumindest ein Stück. Sie führen Fischer in indische Taxis, an Flughäfen, in Bars auf St. Pauli und an den Strand in Bahia und dorthin, wo Elvis und Madonna singen. Nicht selten sind sie ein Aufbruch ins Innere des Autors, das weitaus größer ist als die Begegnungen mit Wellen, Haifischen, Seeschwalben und Frauen wie Chloë Sevigny zusammen. Die Reise als Introspektion, die Seele als ein tastend zu durchmessendes Gebiet, das erst durch ständige Erfahrung allmählich Form annimmt. "Darüber können Sie sich jetzt totlachen: Meine Seele ist ein Kontinent, größer als Australien und achtmal so hübsch." Die Fischerwelt sei das, schreibt Fischer, und das ist auch ein Fischer-Satz, so selbstbehauptend und doch zweifelnd. Diese Reisen sollten niemals aufhören, schreibt er, ein junger Mann müsse sich doch umsehen können, damit er seinen Platz findet. Das ist nicht unpathetisch, aber auch ein bisschen wahr.

Aber Marc Fischer lässt das Schwere so leicht aussehen und so mühelos schwingen manche Sätze; dabei geht es auch um Tod, ums Verfallen, um die ewige Suche nach Glück, um vielleicht ein bisschen gute Hintergrundmusik dazu. Und obwohl seinen Reportagen oft fehlt, was in Journalistenschulen gelehrt wird: Sie haben keinen Tusch. Manchen fehlt die Pointe. Es gibt keine dieser bedeutungsschweren Einzeiler, auch kein berühmtes Erdbeben zu Beginn, das es langsam zu steigern gelte. Wenn Fischer einen Witz macht, will man ihn rahmen: "Ja, der Balkon, so hätte der Philosoph Immanuel Kant das gesagt, ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Lebensenge." Fischer, der seine Karriere im legendären Magazin Tempo begonnen hatte, trennt zwischen den Menschen, die sich vom "Geworfensein in Welt" den Geist vernebeln lassen und denen, die den Verlauf der Zeit stoppen wollen. Zwischen Unklarmenschen und Klarmenschen. Zu welcher Kategorie man Marc Fischer zählen konnte, steht in diesem lesenswerten Buch.