Die 1947 in Wünnewil geborene Erna Obrecht hat sich nicht nur als langjährige ehrenamtliche Mitarbeiterin der Gemeindebibliothek (Öffnungszeiten Mo & Mi von 16-17 Uhr, außer während der Schulferien) verdient gemacht. Sie hat sich zudem in ihrem gesamten schriftstellerischen Leben mit der Bauernmalerei auseinandergesetzt. In der Edition Flora sind zu diesem Thema 197 von ihr verfasste Standardwerke erschienen, beispielsweise Bauernmalerei in Zeiten geistiger Landesverteidigung, Band 1-16 oder Wer malt, befiehlt. Vorschläge zur Subventionierung traditionsbewusster Kunstformen .

Gertrud Niederhauser hingegen, 1918 in Untersteckholz geboren, hat in ihrer Erinnerungstrilogie gleich 35 Synonyme für das Wort "damals" und 29 Synonyme für das Wort "Vergangenheit" gefunden. Ihr Werk ist, wie man so schön sagt, ein unerschöpflich sprudelnder Quell der Alltagsgeschichte einer ganzen Generation. Einen ganz anderen Weg ist Jennifer Jessica Hösli gegangen: Sie hat zwei Kurzgeschichten als pdf-Dokument in ein interessantes Internetforum für junge und freche Literatur eingelesen. Eben dort gibt sie als Hobbys shoppen, telefonieren, SMSen, hängen, kiffen, Cabriolet fahren und sich tätowieren lassen an.

Derjenige, der sich diese und etliche weitere Autorenbiografien ausgedacht hat, ist der Schweizer Schriftsteller Pedro Lenz . Sein 2005 erschienenes Buch Das kleine Lexikon der Provinzliteratur sprüht vor Sarkasmus und Witz, entlarvt gängige Germanisten- und Journalistenplattitüden, karikiert literarische Moden und erschafft sich dabei einen ganz eigenen, gar nicht einmal kleinen Kosmos. Lenz, aufgewachsen in Langenthal als Sohn eines Fabrikdirektors und einer spanischen Mutter (diese Biografie ist nicht erfunden!), ist in seiner Schweizer Heimat ein subversiver Star, dessen Fähigkeiten weit über das Schreiben hinausgehen.

Seit 2002 tritt er gemeinsam mit dem Musiker Patrik Neuhaus als Duo "Hohe Stirnen" auf, das im kommenden Jahr mit seinem 5. Programm auf Tour geht. Er hat für das Radio gearbeitet und für das Theater – und 2010 mit seinem in Berner Mundart verfassten Roman Der Goalie bin ig einen Überraschungserfolg gelandet: 16.000 verkaufte Exemplare, Nominierung für den Schweizer Buchpreis, Literaturpreis des Kantons Bern , Schillerpreis für Literatur der Deutschen Schweiz. Ganz schön viel für ein schmales, gerade mal eben 170 Seiten umfassendes Buch, das nun in einer hochdeutschen Übersetzung des Lyrikers Raphael Urweider erschienen ist.

Man darf sich nicht vom Coverdesign des bilgerverlages täuschen lassen, der Der Keeper bin ich in die Anmutung eines pädagogisch wertvollen Jugendromans der siebziger Jahre verpackt hat. Und mit Fußball hat das Buch auch nichts zu tun. Wie die Hauptfigur, der Ich-Erzähler, zu seinem Namen "Keeper" gekommen ist, ist eine von vielen traurigen Geschichten, die der Roman erzählt. Ein Roman, der mit einer Rückkehr beginnt, einer Rückkehr aus dem Gefängnis. Dort hat der Keeper ein Jahr eingesessen, wegen einer Drogengeschichte, in die er, wie sich nach und nach herausstellt, eher hineinmanipuliert wurde als dass er hineingeschlittert ist. Doch er hat die Klappe gehalten und niemanden verpfiffen. Die Aufklärung dieser Intrige bildet den kriminalistischen Erzählstrang des Romans; der ist allerdings der weniger wichtige.

Wichtiger ist das Milieu, in dem sich der Keeper bewegt; wichtiger ist die Sprache, die Lenz für seinen maroden Helden findet: Er nimmt Anteil an dessen Nöten, ohne sich heranzuschmeißen; er ist dicht an ihm dran, ohne die Schwächen zu vertuschen. Denn der Keeper ist ein Schwätzer und ein Träumer, 33 Jahre alt. Von den Drogen ist er weg, nach dem Knast sucht er sich einen Aushilfsjob, und dann ist da noch Regula, die Kellnerin. Mit der könnte es etwas werden.

Der Keeper will noch etwas vom Leben, obwohl das Leben es wiederum nicht immer gut mit ihm gemeint hat, und zugleich lässt er sich treiben, kann nichts anfangen mit dem Optimierungswahn der Gesellschaft: