Am Valentinstag des Jahres 1989 erhielt Salman Rushdie einen Anruf, der sein Leben veränderte. Von einer BBC-Reporterin erfuhr der Schriftsteller, dass Ajatollah Chomeini ihn "zum Tode verurteilt" hatte. Weil Rushdie in seinem Roman Die satanischen Verse den Islam, den Propheten und den Koran beleidigt haben soll, rief das geistige Oberhaupt des Iran eine Fatwa aus: Auf Rushdie wurde ein Kopfgeld von mehreren Millionen Dollar ausgesetzt, er galt – und gilt noch immer – als vogelfrei.

Was folgte, war ein Leben im Untergrund: Rushdie musste abtauchen, in ständiger Begleitung einer bewaffneten Polizeieskorte zog er von Aufenthaltsort zu Aufenthaltsort. Über diese Zeit auf der Flucht hat er nun, mehr als zwanzig Jahre später, eine Autobiographie geschrieben, die am Dienstag in 27 Ländern ausgeliefert wurde. In Deutschland wurden 100.000 Exemplare produziert, übersetzt von Bernhard Robben und Verena von Koskull.

Am Anfang des Buchs steht das Wort "Hinterher": Es ist der Moment, an dem Rushdie von der Todesdrohung erfuhr. Das Buch trägt den Titel Anton Joseph – Rushdies Deckname in den Jahren im Untergrund, eine Kombination aus den Vornamen seiner Lieblingsschriftsteller Joseph Conrad und Anton Tschechow.

"Bestehe auf Recht der freien Meinungsäußerung"

Auf über 700 Seiten schildert der britisch-indische Autor darin seine Jahre mit der Fatwa. Was heißt es für ihn und seine Familie mit einer Morddrohung zu leben? Wie gelingt es ihm, weiter zu schreiben? Lange Zeit habe sich Rushdie nicht in der Lage gefühlt, über die Geschehnisse zu reden und zu beschreiben, wie sich das Leben im Verborgenen anfühlt, sagte Rushdie der BBC . Jetzt, wo er ausreichend Distanz zu den Geschehnissen verspüre, habe er die Tür zu seiner Vergangenheit zuschlagen und wieder ein normales Leben aufnehmen wollen. Die Jahre im Untergrund seien vor allem von Angst geprägt gewesen, um ihn selbst und um seine Familie. Er sei orientierungslos gewesen, kaum in der Lage, richtig zu handeln.

Rushdie ist sich sicher, dass Die satanischen Verse heute keinen Verleger mehr fänden. Islamkritische Bücher seien heute nur noch schwer zu veröffentlichen, sagte er der BBC. Dem Spiegel sagte Rushdie, er würde seinen Roman von damals genauso wieder schreiben. "Ich bestehe auf das Recht der freien Meinungsäußerung – auch gegenüber Religionen."

Für den Regisseur des Mohammed-Schmähfilms Die Unschuld der Muslime , der seit Tagen Demonstrationen und gewaltsame Ausschreitungen in zahlreichen muslimischen Ländern verursacht, empfinde Rushdie nach eigener Aussage keine Sympathie. Er habe kein Verständnis für seinen Film, sagte Rushdie der BBC. Der Regisseur des Videos habe es darauf angelegt, zu provozieren und diese Reaktionen hervorzurufen, sagte Rushdie.

Rushdie lebt inzwischen in New York , in einem Apartment nahe dem Union Square in Manhattan . Er hat eine Gastprofessur an der Uni von Atlanta. Das Todesurteil gegen ihn hat der Iran bis heute nie zurückgenommen.