Der chinesische Schriftsteller Mo Yan wird mit dem diesjährigen Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet. Das teilte die Königlich-Schwedische Akademie in Stockholm mit. Der Schriftsteller vereine in seinem Werk mit halluzinatorischem Realismus Märchen, Geschichte und Gegenwart, sagte der Sprecher des Komitees Peter Englund.

Mo Yan sei eine "Mischung aus Faulkner, Charles Dickens und Rabelais". Er schildere eine dörfliche Welt in einem Teil Chinas , der den meisten anderen fremd sei. "Mo Yan ist nicht als Intellektueller dort hinabgestiegen, sondern er ist selbst ein Teil davon", sagte Englund.

Mo Yan gilt als einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Autoren Chinas, sowohl im Westen als auch in seinem Heimatland, in dem er für seine mittlerweile neun Romane und mehr als 70 Erzählungen nahezu jeden Literaturpreis erhalten hat. Mit dem Nobelpreis für Literatur wird ihm nun auch die wichtigste internationale literarische Ehrung zu Teil.

Der 1955 als Guan Moye geborene Schriftsteller – sein Pseudonym bedeutet "der Sprachlose" – wuchs im nordöstlichen China auf dem Land auf. Seine Eltern waren Bauern. Während der Kulturrevolution verließ er im Alter von 12 Jahren die Schule und begann in der Landwirtschaft zu arbeiten, später in einer Fabrik. 1976 schloss er sich der Befreiungsarmee des Volkes an. In dieser Zeit begann er, Literatur zu studieren und eigene Erzählungen zu verfassen. Eine Literaturzeitschrift veröffentlichte 1981 seine erste Novelle. Seinen Durchbruch erzielte er einige Jahre später mit dem Kurzroman Touming de hong luobo (1986; französisch: Le radis de cristal , 1993).

Er gilt als Schriftsteller des offiziellen Chinas, 2010 vertrat er das Land auf der Frankfurter Buchmesse . Trotz der strengen Zensur im Land gelingt es ihm, seine Werke zu veröffentlichen. Dem Magazin Time sagte er, es gäbe gewisse Beschränkungen, diese seien jedoch mitunter ein Vorteil: "Eines der größten Probleme in der Literatur ist der Mangel an Feinsinn. Ein Schriftsteller sollte seine Gedanken tief vergraben und sie über die Charaktere vermitteln." Seine Themen waren lange im historischen Kontext des Landes angesiedelt. Sein 2010 erschienener Roman Frosch beschäftigte sich mit einem aktuellen Thema: der Ein-Kind-Politik. Auch wegen dieses gegenwärtigen Bezugs wurde er in diesem Jahr als einer der Favoriten für den Nobelpreis gehandelt.

Nach dem Willen des Stifters, des schwedischen Chemikers, Erfinders und Industriellen Alfred Nobel (1833-1896), erhält den Preis derjenige, "der in der Literatur das Ausgezeichnetste in idealistischer Richtung hervorgebracht hat". Das Werk soll von hohem literarischen Rang sein und dem Wohle der Menschheit dienen.

Im vergangenen Jahr hatte die Akademie den schwedischen Lyriker Tomas Tranströmer ausgezeichnet. Die letzten deutschsprachigen Gewinner waren Herta Müller (2009), Elfriede Jelinek (2004) und Günter Grass (1999). Insgesamt haben bisher 13 deutschsprachige Autoren den Preis erhalten. Die Preisträger kommen meist aus dem europäischen Raum.

Seit diesem Jahr beträgt das Preisgeld acht Millionen Kronen (etwa 930.000 Euro). In den Jahren zuvor erhielten die Preisträger noch zehn Millionen Schwedische Kronen. 

Seit 1901 ist die Auszeichnung fast jährlich vergeben worden. Mo Yan ist der 109. Preisträger. Der Literaturnobelpreis wird am 10. Dezember in Stockholm zusammen mit den wissenschaftlichen Nobelpreisen überreicht – am Todestag des schwedischen Stifters Alfred Nobel (1833-1896).