Jahrelang hat er an seinem Schwarzbuch Waffenhandel gearbeitet. Auf 624 Seiten beschreibt die Entwicklung der Bundesrepublik von einem Land, in dem nach dem Zweiten Weltkrieg die Waffenproduktion verboten war, zum drittgrößten Rüstungsexporteur der Welt. Es bleibt keineswegs bei Polemik, Grässlin belegt seine Angriffe auf Politiker und Manager wie Dieter Zetsche mit Fakten. Daimler Benz baut nämlich nicht nur Limousinen und Nutzlastwagen, auch im Geschäft mit Militärfahrzeugen mischen die Stuttgarter mit. Die Tochterfirma Mercedes-Benz Military Vehicles beliefert weltweit Streitkräfte. Auch Muammar al-Gaddafi zählte zu den Nutzern.

Intensiv setzt sich der Autor mit den großen deutschen Kriegsgeräteherstellern auseinander: EADS, MBDA, Rheinmetall, MTU, Krauss-Maffei Wegmann, Daimler, ThyssenKrupp Marine Systems, Diehl und Heckler & Koch widmet er einzelne Kapitel. Im Fall von Heckler & Koch, dem Gewehrbauer aus Oberndorf, zeichnet er detailliert nach, wie Sturmgewehre vom Typ G-36 bei lokalen Polizeibehörden in mexikanischen Provinzen landeten, obwohl die Lieferung von der Bundesregierung nicht genehmigt worden war. Heckler & Koch bestritt lange jeglichen illegalen Export. Inzwischen wurden aber zwei Mitarbeiter fristlos entlassen, die angeblich ohne Wissen der Geschäftsführung die nicht genehmigten Rüstungsgeschäfte zu verantworten haben. Grässlin spricht von Sündenböcken.

Heckler & Koch und Jürgen Grässlin verbindet eine jahrelang gepflegte Feindschaft. Immer wieder verteilt der Rüstungsgegner vor den Werkstoren in Oberndorf Flyer an Mitarbeiter. Er versucht die Angestellten auf die Schattenseiten ihrer Arbeit hinzuweisen. Mehrfach hat er die Unternehmensspitze wegen angeblich illegaler Waffenexporte angezeigt. Bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart laufen immer noch mehrere Ermittlungsverfahren wegen möglicher Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und Bestechung.

Genüsslich zitiert Grässlin aus einer Rede der Heckler & Koch-Firmenspitze auf einer Informationsveranstaltung für die Belegschaft. Darin wird angekündigt, gegen Grässlin und seine Informanten mit aller juristischer Härte vorzugehen. Doch einschüchtern hat Grässlin sich nie lassen.

Bei der Bundeswehr sollte er als Wehrdienstleistender einst auf Zielscheiben schießen, die asiatische Züge hatten. Erst weigerte er sich und dann verweigerte er. Aus dem Soldaten wurde der Rüstungsgegner.

Ein Optimist ist Grässlin trotz seiner zahllosen Recherchen in Kriegsgebieten geblieben – und er hat sein positives Menschenbild behalten. Er glaubt, dass einzelne etwas ändern können und die Zivilgesellschaft den notwendigen Druck gegen den Waffenhandel erzeugen kann. Grässlin wird weiter kämpfen. Das Schwarzbuch Waffenhandel dürfte nicht sein letztes Werk gewesen sein.