Der insolvente Suhrkamp Verlag steht kurz davor in eine Aktiengesellschaft umgewandelt zu werden. Die Gläubiger nahmen den Sanierungsplan für das Unternehmen an. In alle drei Gläubigergruppen habe es eine klare Mehrheit gegeben, sagte der gerichtlich bestellte Sachwalter Rolf Rattunde.

Mehrere Schriftsteller waren zu der zweieinhalbstündigen Gläubigerversammlung gekommen, darunter Durs Grünbein, Andreas Maier und Rainald Götz. Insgesamt wären rund 2.500 Gläubiger stimmberechtigt gewesen. Viele ließen sich gemeinschaftlich von einem Anwalt vertreten.

Die Entscheidung ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Der Minderheitsgesellschafter Hans Barlach kann in einem späteren Verfahren Berufung einlegen. Er nahm nicht persönlich an der Gläubigerversammlung vor dem Amtsgericht Berlin-Charlottenburg teil. Durch seine Anwälte ließ er den Insolvenzplan ablehnen, verzichtete aber auf sein Recht, gleich Minderheitsschutz einzulegen.

Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz, die über ihre Familienstiftung mit 61 Prozent am Verlag beteiligt ist, will das Unternehmen durch die Insolvenz von einer Kommandit- in eine Aktiengesellschaft umwandeln. Barlach, der 39 Prozent der Anteile hält, verlöre dadurch weitreichende Mitspracherechte. Die beiden sind seit Jahren zutiefst zerstritten.

Nach der Insolvenzordnung muss das Amtsgericht die Annahme des Insolvenzplans durch die Gläubigerversammlung noch bestätigen. Das Verfahren kann laut Sachwalter Rattunde noch etwa vier Wochen dauern. Erst dann würde die Insolvenz aufgehoben.