Suhrkamp- Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz und ihr Kontrahent Hans Barlach sind mit dem Versuch gescheitert, sich gegenseitig als Gesellschafter des Verlags auszuschließen. Das Landgericht Frankfurt wies zwei entsprechende Klagen zurück.

Zwar hätten beide Seiten erhebliche Treuepflichtverletzungen zum Nachteil des Verlages begangen, hieß es in der Urteilsbegründung. Der Bundesgerichtshof habe für einen solchen Fall jedoch entschieden, dass dann nur die Auflösung der Gesellschaft verbleibe, nicht aber der Ausschluss eines Gesellschafters.


Beide Parteien sind seit über sieben Jahren zerstritten . Unseld-Berkéwicz, die über ihre Familienstiftung 61 Prozent am Unternehmen hält, wirft dem Minderheitsgesellschafter Barlach mit seiner Medienholding (39 Prozent) vor, die wirtschaftliche Situation des Hauses schlechtgeredet und sich damit geschäftsschädigend verhalten zu haben. Barlach seinerseits vertritt die Meinung, die Verlagschefin habe Firmengelder unternehmensfremd verwendet.

Verfahrenskosten von über 12 Millionen Euro

Mittlerweile beläuft sich der Streitwert für das Verfahren nach Angaben von Beteiligten auf 12,2 Millionen Euro. Die Verfahrenskosten für jede Partei allein in erster Instanz belaufen sich demnach auf 110.000 Euro. Weitere Instanzen sind möglich.

Barlach hat nach dem Urteil des Frankfurter Gerichts am heutigen Mittwoch seine Bereitschaft zu Gesprächen signalisiert: "Jetzt müssten sich die Gesellschafter an einen Tisch setzen, um über das Urteil und seine Konsequenzen zu sprechen. Wir sind dazu bereit", sagte Barlachs Anwalt. Die Entscheidung des Landgerichts habe deutlich gemacht, dass eine Auflösungsklage nicht der geeignete Weg sei, um einen bereits eskalierten Streit zu lösen.

Der insolvente Suhrkamp Verlag steht kurz davor, in eine Aktiengesellschaft umgewandelt zu werden. Der Insolvenzplan wurde im Oktober von der Gläubigerversammlung beschlossen . In wenigen Wochen könnte das Berliner Amtsgericht grünes Licht für die Umwandlung des Verlags geben. Barlach verlöre dadurch weitreichende Mitspracherechte, will die Entscheidung aber offenbar akzeptieren : "Das Gute ist: Das Aktienrecht sieht eine deutlich größere Transparenz und Kontrolle vor. Sollte es, wie in der Vergangenheit, zu Veruntreuungen kommen, hätte dies in einer Aktiengesellschaft direkte Konsequenzen und würde nicht über Instanzen prolongiert", sagte er nach der Gläubigerversammlung.