Sibylle Lewitscharoff hat ihre umstrittenen Äußerungen zur Reproduktionsmedizin verteidigt. "Darf ich in einer Rede nicht sagen, was ich denke? Ich verlange doch keine sofortige Gesetzesänderung oder derartiges", sagte die Büchner-Preisträgerin der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ).

Ihre Äußerung, wonach Kinder aus künstlicher Befruchtung "Halbwesen" seien, wollte die Büchner-Preisträgerin nicht zurücknehmen. Sie würde allerdings "niemals einem Kind, das auf solchem Wege entstanden ist und das mir sympathisch ist, meine Zuneigung verweigern", zitiert die FAZ Lewitscharoff. Auch den Eltern gegenüber würde sie "keine lautstarken Vorwürfe erheben." Ihre Skepsis gegenüber dem gewählten Weg aber bliebe.

Ein von ihr als "weise" bezeichnetes "Onanieverbot" will Lewitscharoff im Kontext der künstlichen Befruchtung verstanden wissen. Sie halte es für eine Katastrophe, wenn die Fortpflanzung einzig in die Hände der Frauen gelegt werde und die Männer nur Samenspender wären, sagte Lewitscharoff. Die Erziehung von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare ist für die preisgekrönte Literatin eine "Lösung für Notfälle".

In ihrer Rede vor dem Dresdner Schauspielhaus hatte Lewitscharoff die künstliche Befruchtung verurteilt und sich voller "Abscheu" über Kinder geäußert, die auf solch "abartigen Wegen" entstanden seien. Diese seien "Halbwesen", "zweifelhafte Geschöpfe, halb Mensch, halb künstliches Weißnichtwas". Das Dresdner Schauspielhaus distanzierte sich als Mitveranstalter in einem offenen Brief sofort von Lewitscharoffs Aussagen.

In der Themenwoche Ungewollt kinderlos hat sich ZEIT ONLINE damit beschäftigt, wie Menschen mit Unfruchtbarkeit, Fertilisation und deren moralischen Implikationen umgehen.