Niemand wusste, was es war. Es drückte durch meine Bauchdecke. Ließ sich auch unter T-Shirts, selbst dicken Norwegerpullovern kaum verbergen. Die Ärzte wussten nicht weiter. Immer wieder röntgte man mich, nur um mir anschließend achselzuckend mitzuteilen, dass man nicht wisse, was es sei. Wie beim Bleigießen versuchten sie das Gebilde zu deuten, das erst wie eine große Erdnuss, später wie ein kleiner Delphin ausgesehen hatte. Mit jedem Tag spürte ich diesen Fremdkörper stärker in mir.

"Du darfst dich nicht so darauf konzentrieren. Dadurch wächst es doch nur noch mehr", sagte Petra ernst.
"Wie soll ich das denn ignorieren?", rief ich, zog den Pullover hoch und zeigte auf das nacktmullartige Gewächs, das mir anklagend aus dem Bauch wuchs. Ich mochte es nicht ansehen. Lag viel im Bett und breitete die Decke darüber aus, um es zu vergessen. Doch ich spürte, dass es da war. So wie man spürte, dass noch wer mit im Raum war, selbst wenn man denjenigen nicht sah.


Immer wieder cremte Petra mir das Gewächs ein. Mit Salben, von denen ich nicht wissen wollte, woher sie sie hatte. Sie war nachts lange auf. Manchmal hörte ich sie mit dem Fernseher telefonieren, und Tage später brachte der Postbote dann Päckchen, die auch Petra erstaunt auspackte. Doch es half alles nichts. Einzig die Haut wurde rot und schuppig. Das Ding wuchs weiter.

Nun starrte dieses Ding mich auch noch an.

"Es gehört zu dir. Vielleicht müssen wir einfach lernen, das zu akzeptieren. Wir sollten aufhören, dagegen anzukämpfen", sagte sie eines Nachts und schmiegte sich fast leidenschaftlich an dieses Ding, das da aus meinem Bauch wuchs. Küsste es. Nahm es dann vollständig in ihrer Mundhöhle auf. Als ich am nächsten Morgen erwachte, hatte sie ihm ein kleines Gesicht aufgemalt. Sich Strähnen ihres Haars abgeschnitten und ihm daraus eine kleine Perücke genäht, die nun auf diesem Gewächs thronte und es noch unheimlicher aussehen ließ. Nun starrte dieses Ding mich auch noch an.


"Lass es uns Bigo nennen", sagte sie und stellte eine kleine Espresso-Tasse mit warmer Milch auf meinen Bauch vor Bigo. Anschließend imitierte sie Schmatzen und Schluckgeräusche. Mit verstellter Stimme verkündete sie: "Mmmh, lecker Leckermilch. Bigo likes."
Ich sah erst Bigo, dann Petra an. Seufzte.

Ich würgte es versuchsweise.

Ich weiß gar nicht, warum, aber ich bin ein gläubiger Mensch. Ich schaffe es einfach nicht, nicht an Gott zu glauben. Auch wenn die Beweislast erdrückend ist. Ich glaube an Gott, bete und glaube, dass alles von ihm so gewollt ist. Was hatte ich schon groß aus meinem Leben gemacht? Welche Aufgaben hatte ich gemeistert, welche Prüfungen bestanden? Kaum etwas, und nun hatte Gott mir dieses Ding geschickt, an dem ich wachsen sollte und das ebenfalls wuchs. Gemeinsam wurden wir stark. Wir waren Brüder im Geiste. Bud Spencer und Gewächs Hill. Lag ich bei Sonnenschein auf dem Balkon, ragte sein Schatten bedrohlich in mein Gesicht, und die weiße, ungebräunte Stelle gemahnte mich daran, mein Schicksal nicht zu vergessen, sondern es in die Hand zu nehmen. Ich umklammerte es manchmal mit beiden Händen, würgte es versuchsweise, als könnte ich es so verschwinden lassen. Knetete ich es, glaubte ich, Bewegungen darin ausmachen zu können, ein Pochen und Pulsieren. Oft kam ich mir schwanger vor – mit einem Kind, von dem ich hoffte, dass es nie zur Welt kommen würde.