Der Dichter Jürgen Becker hat den renommierten Georg-Büchner-Preis erhalten. Der 82-jährige Autor bekam die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung im Staatstheater Darmstadt verliehen. Die Ehrung gilt als wichtigste literarische Auszeichnung Deutschlands. "Seine Gedichte lehren uns eindringlich, unsere Welt und unsere Sprache aufmerksamer wahrzunehmen", hieß es in der Begründung der Jury.

Becker, der in Odenthal bei Köln wohnt, wurde bereits als Lyriker, Hörspiel- und Prosaautor vielfach ausgezeichnet. Zu seinen Werken gehören unter anderem Das Ende der Landschaftsmalerei (1974) und Foxtrott im Erfurter Stadion (1993). "Ich danke der Jury für ihre Würdigung dessen, was bislang entstanden ist. Ich begreife sie als Aufforderung, nicht stehen zu bleiben", sagte Becker während der Verleihung in Darmstadt. Sein Alter halte ihn nicht davon ab, immer wieder neu zu beginnen, sagte der Preisträger. Er wisse nicht, ob er die "entscheidenden Sätze" überhaupt schon geschrieben habe. Seine Werke entstammten Gesprächen mit sich selbst über eigene Erfahrungen und Wahrnehmungen. Im Leser könnten sie sich fortführen.

Geboren wurde Becker 1932 in Köln, wo er Theaterwissenschaften, Kunstgeschichte und Germanistik studierte. In den folgenden Jahren war Becker Lektor im Rowohlt Verlag, Leiter des Suhrkamp Theaterverlags und Leiter der Hörspielredaktion des Deutschlandfunks. Sein erster Prosaband Felder (1964) machte Becker zunächst als Verfasser experimenteller Literatur bekannt. Die Wiedervereinigung wirkte sich entscheidend auf sein Schaffen aus. Bereits vor dem Mauerfall hatte er 1988 im Gedicht von der wiedervereinigten Landschaft an Thüringen erinnert, wo er als Kind und Jugendlicher zeitweise lebte. Zu seinem 80. Geburtstag kam mit Wie es weiterging. Ein Durchgang eine Auswahl von Prosawerken aus fünf Jahrzehnten heraus.

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt vergibt den Georg-Büchner-Preis seit 1951. Dass die Auszeichnung im Jahr 2014 an Jürgen Becker geht, verkündete die Akademie bereits Ende Mai. "Seine Gedichte leben aus einer sensiblen, sinnlichen, neugierigen Weltzugewandtheit und einer vollendeten, dabei ganz unaufdringlichen Sprachkunst", lautete die Begründung für die Ehrung im Frühjahr.

Benannt ist der Preis nach dem Dramatiker und Revolutionär Georg Büchner, der 1813 im Großherzogtum Hessen geboren wurde und 1837 in Zürich starb. Die Auszeichnung erhalten jene Schriftsteller und Dichter, "die in deutscher Sprache schreiben, durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten und die an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben".

Im vergangenen Jahr hatte die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff die begehrte Auszeichnung erhalten. Unter den bisherigen Preisträgern waren auch schon Gottfried Benn (1951), Erich Kästner (1957), Heinrich Böll (1967) und Friedrich Dürrenmatt (1986).