Das Bundesverfassungsgericht hat die Umwandlung des Suhrkamp Verlags in eine Aktiengesellschaft vorläufig gestoppt. Das Gericht untersagte es dem Amtsgericht Charlottenburg vorläufig, "das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Suhrkamp Verlag GmbH & Co.KG aufzuheben und die neue Rechtsform in das Handelsregister einzutragen", wie es heißt.

Die Entscheidung ist ein Teilerfolg für den Suhrkamp-Miteigentümer Hans Barlach. Er ist gegen den Sanierungsplan von Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz, der eine Umwandlung des Verlages von einer Kommandit- in eine Aktiengesellschaft vorsieht.  

Das Landgericht Berlin hatte im Oktober den Weg für die Umwandlung frei gemacht. Mit der neuen Gesellschaftsform sollte der jahrelange Machtkampf zwischen Verlagschefin Unseld-Berkéwicz und Miteigentümer Barlach beendet werden. Bedingung für die Annahme des Insolvenzplans war, dass die beiden zerstrittenen Gesellschafter auf ihre finanziellen Forderungen an den Verlag verzichten: Bei Unseld-Berkéwicz ging es um 4,55 Millionen Euro, bei Barlach um 2,53 Millionen Euro. Barlach hatte im September Verfassungsbeschwerde gegen die Entscheidung eingelegt. 

Verlag reagiert gelassen

Der Suhrkamp Verlag reagierte gelassen auf die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts. Die Anordnung aus Karlsruhe sei nicht als Hinweis auf die endgültige Entscheidung zu verstehen, sagte eine Verlags-Sprecherin. Die Anordnung diene allein dazu, dem Verlag die Möglichkeit zu einer Stellungnahme zu Barlachs Verfassungsbeschwerde zu geben.

Unseld-Berkéwicz hatte die Geschäftsführung des Verlags 2003 übernommen. 2010 setzte sie gegen viele Widerstände den Umzug des Verlags vom Sitz in Frankfurt am Main nach Berlin durch. Barlach erwarb 2006 gegen den Willen der Mehrheitseignerin Anteile an Suhrkamp.