Die algerische Schriftstellerin und Filmemacherin Assia Djebar ist tot. Sie starb am Freitag im Alter von 78 Jahren in einem Krankenhaus in Paris. In der kommenden Woche soll sie in ihrer Heimatstadt Cherchell westlich von Algier beerdigt werden.

Assia Djebar galt als eine der renommiertesten und einflussreichsten Autorinnen des Maghreb. Sie wurde in den vergangenen Jahren mehrfach als Anwärterin auf den Literatur-Nobelpreis gehandelt. Sie lehrte an Universitäten in Algerien, Frankreich und den USA.

Sie galt als politische Schriftstellerin, die sich für die Emanzipation algerischer Frauen und die demokratische Erneuerung Algeriens engagierte. Ihre Romane und Filme erzählten vom Kolonialismus und der Rolle der Frau in der islamischen Welt.

1936 unter dem Namen Fatima Zohra Imalayène in Cherchell geboren, ging sie mit 18 Jahren nach Frankreich, wo sie als erste Algerierin an einer Elite-Universität aufgenommen wurde. Bekannt wurde sie 1957 mit ihrem ersten Roman La Soif ("Durst"). Ein Jahr später folgte Les Impatients ("Die Ungeduldigen"). Sie schrieb im Laufe ihrer Karriere mehr als 15 Romane sowie Kurzgeschichten und Gedichte. Ihre Bücher wurden aus dem Französischen in mehr als 20 Sprachen übersetzt.

Friedenspreis und Berlinale-Ehrung

Assia Djebar wurde mit vielen internationalen Preisen ausgezeichnet. Im Jahr 2000 erhielt sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 2005 wurde sie in die renommierte Académie Française aufgenommen.

Auch als Filmemacherin hatte sie Erfolg. Für ihren ersten Film La Nouba des Femmes du Mont Chenoua bekam sie 1979 den Kritikerpreis bei den Filmfestspielen in Venedig, ihr Dokumentarfilm La Zerda ou les chants de l'oubli erhielt bei der Berlinale 1982 einen Sonderpreis für den besten historischen Film.

Im Wärmestrom des Erzählens

"Ein Rendezvous mit Assia Djebar zu haben ist ein Glück", schrieb Iris Radisch in der ZEIT 2009 nach einem Besuch bei der Autorin in Paris. "Es ist ein Glück, weil man, kaum hat man den Mantel in ihrem bücherüberladenen Salon über die Stuhllehne gelegt und auf dem Diwan Platz genommen, in einen Wärmestrom des Erzählens hineingezogen wird, aus dem man nie wieder auftauchen möchte."

Hingegeben erzählte Assia Djebar in ihren Büchern, so Iris Radisch, von den ekstatischen Tänzen, den siebentägigen Hochzeitsfeiern, den Badezeremonien, den Trauergesängen in den weiblichen Ghettowelten ihrer Kindheit.