Fritz J. Raddatz, einer der bedeutendsten deutschen Literaturkritiker und früherer Feuilleton-Chef der ZEIT, ist tot. Er starb an diesem Donnerstag im Alter von 83 Jahren, wie der Rowohlt Verlag mitteilte. Erst im September vergangenen Jahres hatte sich Raddatz unter anderem mit den Worten "Time to say goodbye" vom Journalismus verabschiedet und sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Raddatz wurde 1931 in Berlin geboren und begann seine lange Karriere 1953 als Lektor beim Ostberliner Staatsverlag Volk und Welt. 1958 siedelte er in die Bundesrepublik über und wurde Cheflektor bei Kindler, bevor er zwei Jahre später zu Rowohlt wechselte. Dort war er unter Heinrich Maria Ledig-Rowohlt auch bis 1969 stellvertretender Leiter des Verlags.

1977 übernahm Raddatz die Leitung des ZEIT-Feuilletons, wo er zu einem der einflussreichsten, aber auch streitbarsten Literaturkritiker der Bundesrepublik wurde. Als er den Posten 1985 aufgab, war er weiter als Kulturkorrespondent für die ZEIT tätig.

Neben seiner journalistischen Arbeit war Raddatz als Schriftsteller, Biograf, Universitätsdozent, Übersetzer und Herausgeber tätig. In allen Bereichen hinterlässt er ein umfangreiches Werk. Zuletzt wurden seine 2010 und 2014 erschienenen Tagebücher als literarisches Ereignis gefeiert.

Fritz J. Raddatz - Lesetipp von Ijoma Mangold: "Tagebücher 2002 - 2012" Der zweite Band der Tagebücher von Fritz J. Raddatz ist ein klagendes Alterswerk. Darin wird auf brillante Weise gezeigt, wie schwierig das Glücklichsein ist, meint ZEIT-Literaturchef Ijoma Mangold.