+ + +EIL: Hans-Olaf Henkel, Mitglied der rechtspopulistischen AfD beklagt sich über Rechtspopulisten in AfD + + +

Obwohl die Frankfurter Allgemeine Zeitung kein Parteiorgan der AfD ist, hat Henkel den Weg des FAZ-Interviews gewählt, um die Gründe für seinen Rücktritt aus dem Bundesvorstand der Alternative für Deutschland bekannt zu geben. Seinen Posten als stellvertretender Sprecher der Partei schmeißt er ebenfalls hin. Der Vorwurf, den er seinen Parteimitgliedern macht, lautet Rechtspopulismus:

Ich kann nichts mit lauten Tönen, schrillen Ansagen und rechtspopulistischen Parolen anfangen.

In der Pressemitteilung der AfD taucht die konkrete Anschuldigung des Rechtspopulismus nicht auf (warum eigentlich?). Im FAZ-Gespräch beklagt der ehemalige BDI Präsident lang und breit den Versuch einer Verschiebung des Parteiprogramms nach "weit rechts". Man wundert sich über Henkels Dünnhäutigkeit. Wenn ihm schon Versuche und Diskussionen um programmatische Verschiebungen Kopfzerbrechen machen, sollte er besser gleich die Partei wechseln. Denn in seinem Parteiprogramm steht ausdrücklich: "Wir setzen uns dafür ein, dass auch unkonventionelle Meinungen im öffentlichen Diskurs ergebnisoffen diskutiert werden, solange die Meinungen nicht gegen die Werte des Grundgesetzes verstoßen."

Also vom Verbot schrill, laut und weit rechts zu sein, ist das Wahlprogramm weit entfernt. Im Gegenteil. Rechtssein geht absolut in Ordnung. Wichtig ist in diesen Fällen wie immer, das Rechtssein nicht mit Facebook-Fotos seines Hitlerbartes oder ähnlich unappetitlicher Folklore zu flankieren. Rechtssein in Anzug und Krawatte, geföhnt und glattrasiert, geht immer, das können die Werte des Grundgesetzes gut wegstecken.

Natürlich kann man sich fragen, wieso ein Mitglied einer rechtspopulistischen Partei sich über Rechtspopulisten aufregt. Das ist, als würde sich ein deutscher Sozialdemokrat über den Einfluss der Gewerkschaften in seiner Partei empören. Das ist, als würde ein Hautarzt aus Ekel über Furunkel, Warzen und Eiterbeulen seine Approbation als Dermatologe abgeben.

Die AfD war nie etwas anderes als rechtspopulistisch. Sie ist gegen Europa (die AfD sitzt trotzdem gerne im EU-Parlament), sie meckert unentwegt über das Bürokratiemonster in Brüssel (Formulare für Sitzungsgelder im Brüsseler Parlament werden sicher auch von AfD Abgeordneten ausgefüllt), ihr Parteislogan "Mut zur Wahrheit" bewegt sich auf der selben Tonlage von "Das wird man wohl noch sagen dürfen!". Das ist alles Rechtspopulismus in geföhnt und glattrasiert. 

Und entgegen Henkels Verlautbarungen hat sich die Partei nicht erst in den letzten paar Monaten dazu entwickelt, sondern der Rechtspopulismus ernährt die AfD wie der Eukalyptus das Koalabärchen. Noch ein Hinweis für die Botaniker unter den AfD Wählern: Eukalyptusblätter haben harte Fasern und einen äußerst niedrigen Nährwert!

Zeitungsleser mit robustem Gedächtnis erinnern sich vielleicht an einen offenen Brief Henkels aus dem Jahr 2009, der in der Zeitung Die Welt veröffentlicht wurde. Der Brief ist an den "von mir bisher sehr geschätzten Präsidenten der Bundesbank" gerichtet. Gemeint ist der von der UN als Rassist gerügte Thilo Sarrazin. 

Als alle Welt sich über Sarrazin empörte (alle bis auf die Rechtspopulisten), sicherte Henkel Sarrazin seine volle Unterstützung zu: "Auch persönlich wollte ich Ihnen noch einmal zurufen, dass ich Ihre Äußerungen ohne jedes Wenn und Aber unterstütze. Die Art der an Ihnen geübten Kritik aus dem politisch korrekten Milieu aus Politik und Medien stellt ein Armutszeugnis für den Zustand der Meinungsfreiheit in unserem Land dar."

Da sind sie wieder, die berühmten Wortbausteine aus dem Vokabular des Rechtspopulisten! Wem das alles zu intellektuell ist, zu geföhnt und glatt rasiert, der lese in Henkels Aschermittwochsrede zur Europawahl 2014 im bayerischen Osterhofen nach. Da heißt es: "Der Kampf gegen Rechts ist eine Unverschämtheit. Die politische Landschaft ist nach links gerückt, deswegen stehen wir rechts. Aber wir stehen richtig."

Dass der Kampf gegen Rechts eine Unverschämtheit sei, ist eine Einschätzung, die einem sonst nur nachts um elf an einer Tankstelle in Anklam begegnet. Das allein ist noch kein Indiz für Rechtssein, zugegeben, aber man wird doch wohl noch sagen dürfen, dass Sätze wie diese nun nicht gerade das Gegenteil von laut, schrill und rechtspopulistisch sind.