Die weltweit erfolgreiche britische Krimiautorin Ruth Rendell ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Dies teilte ihr Verlag Penguin Random House mit. Die Autorin hatte im Januar einen schweren Schlaganfall erlitten.

Sie galt als eine der beliebtesten Krimiautorinnen Großbritanniens. In vier Jahrzehnten hat Rendell mehr als 60 Bücher veröffentlicht, 20 davon mit ihrer berühmtesten Figur, Inspektor Wexford. Auch unter dem Pseudonym Barbara Vine veröffentlichte sie zahlreiche Bestseller.

Rendell wurde am 17. Februar 1930 als Ruth Grasemann geboren und wuchs in einem Vorort von London in einer Lehrerfamilie auf. 1953 heiratete sie ihren Ehemann Don Rendell, mit dem sie einen Sohn hat.

Ihre Karriere begann sie als Journalistin und schrieb Reportagen für die Lokalzeitung Chigwell Times. Inspektor Wexford, Rendells bekannteste Figur, tauchte bereits in ihrem ersten Roman Alles Liebe vom Tod von 1964 auf. Davor habe sie ein paar "sehr schlechte" Romane geschrieben, die nie veröffentlicht worden seien, sagte sie 2005. Nach diesen Misserfolgen habe sie herausgefunden, dass "Spannung und Rätselhaftigkeit meine Stärke war". Sie mischte das klassisch Geheimnisvolle mit einer psychologischen Tiefe. So ermöglichte sie den Lesern einen Zugang zum Gefühlsleben ihrer anscheinend gewöhnlichen Figuren, die trotzdem zu Verbrechen imstande waren.

Rendell war sich der emotionalen Bindung vieler ihrer Leser zu ihren Romanhelden bewusst. "Einen Seriencharakter wie Wexford betrachten die Leute als reale Person und sie binden sich stark an ihn", sagte sie einmal. "Frauen haben mir über die Jahre geschrieben, sie liebten ihn und ich solle seine Frau umbringen, damit sie ihn heiraten können."

2014 sagte sie in einem Vortrag auf dem Literaturfestival Cheltenham, sie habe nie über Kindermord geschrieben, weil sie in keiner Weise Kriminellen zeigen wollte, wie sie vorgehen könnten. "Ich wollte nichts damit zu tun haben, nicht verantwortlich sein", sagte sie. Aus demselben Grund habe sie nie Grausamkeit gegen Tiere zum Thema gemacht.

1997 wurde Rendell von Königin Elisabeth II. in den Adelsstand erhoben und erhielt den Titel "Baroness Rendell of Babergh". Auf Vorschlag des damaligen Premierministers Tony Blair wurde sie für die Labour-Partei auch Mitglied des britischen Oberhauses. Die Londonerin schrieb vormittags an ihren Büchern, nachmittags nahm sie oft an Parlamentssitzungen teil. Während ihrer langen Karriere erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen.