Als Das literarische Quartett am 14. Dezember 2001 zum letzten Mal auf Sendung gegangen war, blieb der Kommentar von Michael Krüger im Gedächtnis. Er wandte sich wissend an alle Literaturkenner und -insider, die diese Sendung als populistisch, eitel und ästhetisch katastrophal empfunden hatten, und versetzte: "Wir werden diese Sendung alle noch vermissen."

Jetzt ist es soweit. Für Oktober plant das ZDF eine Neuauflage des Literarischen Quartetts, und es ist in der Zwischenzeit einiges passiert. Marcel Reich-Ranicki, da kann man nun sagen, was man will, war auf jeden Fall ein Literaturkritiker. Auch Hellmuth Karasek, das lässt sich nachlesen, war in seinen frühen Jahren ein Literaturkritiker, und sogar ein ausgezeichneter. Und Sigrid Löffler ist es noch heute: Sie bürgt für ein solides Fundament an Wissen und Lektürekenntnissen und der daraus resultierenden Fähigkeit zu scharfer, polemischer Zuspitzung. Als das Literarische Quartett 1988 startete, stand außer Frage, dass die Protagonisten in erster Linie profilierte Literaturkritiker sein sollten.

Wenn jetzt die Sendung im Jahr 2015 neu aufgelegt wird, ist aber von vornherein klar, dass es nicht um Literaturkritik gehen darf. Sie gilt bei den Format- und Konzeptprojektlern in den Medienhierarchien nicht mehr als zeitgemäß. Es ist ganz konsequent, dass es sich beim neuen Trio, mit vielleicht einer schillernden Ausnahme, um eine ganz andere Spezies handelt.  

Kultur- und Promi-Trash

Vor einigen Jahren konnte man einen Literaturredakteur bei einem der regionalen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender begeistert von der Moderatorin Christine Westermann reden hören: Es sei eine Glanzleistung, wie sie es schaffe, in der WDR-Sendung Zimmer frei neben dem raumgreifenden Platzhirsch und wilden Typen Götz Alsmann zu bestehen. Den Literaturredakteur interessierte weniger Literatur, ihn interessierte Fernsehen. Er hatte längst internalisiert, was sie in ihren Kommunikationstrainings ständig vorgekaut bekommen: Fernsehen sei ein Massenmedium – ein Satz, den man zuverlässig sofort hört, wenn man irgendeinem für Kultursendungen Verantwortlichen sagt, das Niveau sei ja peinlich, unterirdisch, ranschmeißerisch: "Fernsehen ist ein Massenmedium!"

Das kommt wie auf Knopfdruck. Es ist gar nicht entscheidend, dass man in den wie auch immer definierten Quotenmessungen auch mit dem üblichen Kultur- und Promi-Trash nur einen Bruchteil der möglichen Zuschauer erreicht. Entscheidend ist, dass man auch diese Sendungen auf ein Massenpublikum ausgerichtet hat.  

Moderne Hofberichterstattung

Christine Westermann ist die ideale Gastgeberin in einem Format wie Zimmer frei – und darin besteht auch ihre Qualifikation für eine Literatursendung. Es hat sich im Laufe der rasanten Medienbeschleunigung und wachsenden Medienbedeutung eine eigene Medienwirklichkeit herausgebildet, die mit der recht unüberschaubar gewordenen gesellschaftlichen Wirklichkeit draußen nicht mehr viel zu tun haben braucht. Die Medien genügen sich selbst, und in erster Linie beschäftigen sie sich mit sich selbst. Medienberichte in den Medien ähneln meist auffällig der früheren Hofberichterstattung. Dafür werden eigens Medienwissenschaftler an den Universitäten als Experten ausgebildet.