Der sozialkritische spanische Schriftsteller Autor Rafael Chirbes ist tot. Dies teilte der Anagrama-Verlag in der Nacht zum Sonntag mit. Der mehrfach ausgezeichnete Schriftsteller war am Samstag im Alter von 66 Jahren in seiner Wohnung in Tabernes de la Valldigna bei Valencia an Lungenkrebs gestorben. Rafael Chirbes galt als unbequemer Beobachter. Er beschrieb mit beißender Schärfe die Schattenseiten seines Landes – von der Diktatur des Franco-Regimes bis zur Immobilienkrise und den Korruptionsskandalen der Gegenwart. "Das ist nicht pessimistisch, das ist die Wirklichkeit", sagte er einmal.

Chirbes' Romane waren im Ausland – vor allem in Deutschland – zeitweise erfolgreicher als im Heimatland des Autors. In den Jahren des wirtschaftlichen Booms wollten die Spanier von den dunklen Seiten der Franco-Diktatur (1939-1975) wenig wissen. Chirbes hatte sich als Student in einer linken Gruppe im Kampf gegen das Franco-Regime engagiert. Er wurde festgenommen und monatelang inhaftiert. 

Die Romantrilogie Der lange Marsch (1996), Der Fall von Madrid (2000) und Alte Freunde (2003) befasst sich mit der Zeit des Franco-Regimes, dem Ende der Diktatur und dem Übergang zur Demokratie. Krematorium (2007) handelt vom Bauboom, der Zerstörung von Naturlandschaften und der Korruption in der Zeit vor dem Platzen der Immobilienblase. Er diente auch als Vorlage für eine TV-Serie. Sein darauffolgendes Werk Am Ufer (2013) knüpft unmittelbar daran an und schildert ein Land in Katerstimmung, in dem die Wirtschafts- und Finanzkrise dem Boom ein jähes Ende bereitet hat.

"Chirbes' Tod ist ein schwerer Schlag (für die spanische Literatur)", sagte sein Verleger Jorge Herralde der Zeitung El País. "Er war ein Mensch von einer außergewöhnlichen moralischen Integrität." Chirbes, Sohn eines Eisenbahners, war in einem Waisenheim aufgewachsen. Sein Vater starb, als der Sohn vier Jahre alt war, die Mutter lebte in Armut. Der Autor bezeichnete sich als Marxist, engagierte sich aber nach dem Ende der Franco-Diktatur nicht mehr in der Politik. Er lebte seit mehreren Jahren zurückgezogen an der spanischen Mittelmeerküste in dem Dorf Beniarbeig nördlich von Alicante.