Der jamaikanische Autor Marlon James erhält den Man Booker Prize. James bekommt den wichtigsten Preis der britischen Literaturwelt für seinen Roman A Brief History of Seven Killings, der sich mit einem Überfall auf den weltberühmten Musiker Bob Marley im Dezember 1976 beschäftigt. 

Der Roman beschreibt, wie Bob Marley zwei Tage vor einem Konzert, das die politischen Spannungen in Jamaika lösen sollte, in seinem Haus von Männern mit Maschinengewehren überfallen wird. Marley überlebt und tritt auf dem Konzert auf. Danach verlässt er sein Heimatland jedoch für mehrere Jahre. James lässt diese Geschehnisse in einer Art erzählter Biografie von Gespenstern, Mördern, Opfern, Politikern, Drogendealern, FBI-Agenten und Schönheitsköniginnen Revue passieren. Die Handlung des Buches umfasst mehrere Dekaden und erzählt so auch von der jüngeren Geschichte Jamaikas.  

Kritiker haben das Buch mit den Bewusstseinsströmen eines William Faulkner und den gewalttätigen Filmen eines Quentin Tarantino verglichen. James selbst führt dagegen Charles Dickens als eine Inspirationsquelle an.

Marlon James wurde 1970 geboren, A Brief History of Seven Killings ist sein dritter Roman. James ist der erste jamaikanische Autor, der den Man Booker Preis erhält. James sagte, er erhoffe sich, dass der Literatur auf Jamaika und in der gesamten Karibik durch seinen Sieg mehr Beachtung geschenkt werde. "Ich denke, es gibt einige brandneue Stimmen, die die zeitgenössische Gesellschaft erkunden, die erforschen, was hinter Politik, was hinter Kolonialismus steckt."

Auf der Shortliste für den Preis befanden sich auch Tom McCarthy, Chigozie Obioma, Sunjeev Sahota, Anne Tyler und Hanya Yanagihara. Der Preis wird jedes Jahr vergeben. Im vergangenen Jahr hatte der australische Autor Richard Flanagan den Preis gewonnen.

Korrektur: Der Überfall auf Bob Marley fand 1976 statt, nicht 1967, wie es in der ersten Version geheißen hatte. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.