Der mexikanische Schriftsteller und Dichter Fernando del Paso erhält den diesjährigen Cervantes-Preis, die wichtigste literarische Auszeichnung in der spanischsprachigen Welt. Dies gab Spaniens Kulturminister Íñigo Méndez de Vigo in Madrid bekannt. Der Preis ist mit 125.000 Euro dotiert.

Der 80-Jährige werde für seinen Beitrag zur Entwicklung des Romans, der Tradition und Moderne vereint ausgezeichnet, sagte Jury-Präsidentin Inés Fernández Ordóñez. Der Autor aus Mexiko-Stadt gehe bei seiner schriftstellerischen Arbeit Risiken ein und sei innovativ. "Sein Werk ist Teil der Geschichte der lateinamerikanischen Literatur", so Fernández Ordóñez.

Del Paso, von dem auch einige Werke in deutscher Übersetzung vorliegen, schreibt aber nicht nur. Er zeichnet und malt, war Diplomat und Leiter der Bibliothek der Universität von Guadalajara (die inzwischen nach ihm benannt wurde) und betätigte sich viele Jahre als erfolgreicher Radiosprecher und -produzent. Er arbeitete für die BBC in London und auch für Radio France International in Paris.

Der 1987 im Original erschienene historische Roman Noticias del Imperio (Nachrichten aus dem Imperium) ist das wichtigste Werk des eher zum Tragikomischen als zum Drama neigenden Autors. Das Buch handelt von der Gründung des Zweiten Mexikanischen Kaiserreiches, das 1867 nach nur rund drei Jahren mit der Hinrichtung von Kaiser Maximilian I., dem jüngeren Bruder von Kaiser Franz Joseph I. von Österreich, zu Ende ging.

Zu seinen wichtigsten literarischen Einflüssen zählt del Paso unter anderem James Joyce, William Faulkner und auch den altgriechischen Tragödiendichter Sophokles.

Der Autor bekommt den Preis am 23. April 2016 von Spaniens König Felipe VI. in der Universität von Alcalá de Henares östlich von Madrid überreicht.

Die nach Miguel de Cervantes, dem Autor des Don Quijote, benannte Auszeichnung wird seit 1976 alljährlich vom spanischen Kulturministerium verliehen. Mit ihrer Entscheidung hielt sich die Jury erneut an die ungeschriebene Regel, wonach der Preis abwechselnd spanischen und lateinamerikanischen Autoren zugesprochen wird. Im Vorjahr hatte der Spanier Juan Goytisolo den Cervantes erhalten.