Sharon Dodua Otoo hat den 40. Ingeborg-Bachmann-Preis erhalten. Die gebürtige Britin, die in Berlin lebt, erhielt die Ehrung für ihren Text Herr Gröttrup setzt sich hin. Die Jury lobte die unangestrengte Satire über ein deutsches Ehepaar und sein Frühstücksritual.

Der Jurypräsident Hubert Winkels bezeichnete den Text als "realistisches Stück Geschichte". Man tauche ein in ein Frühstücksei und finde sich wieder in basisphilosophischen Lebensfragen. Die Literaturkritikerin Hildegard Keller fand, man könne "schwer vergnügter von der Reinkarnation erzählen". Auf die Frage, wie man zum perfekten Ei komme, biete der Text eine verblüffende Lösung: Das Ei verweigert es, hart und deutsch zu werden.

Sharon Dodua Otoo, geboren 1972 in London, veröffentlichte 2012 ihre erste Novelle the things i am thinking while smiling politely im Verlag edition assemblage. Die deutsche Übersetzung erschien 2013. Otoo ist Herausgeberin der englischsprachigen Buchreihe Witnessed, ihre jüngste Novelle Synchronicity erschien 2014 auf Deutsch und Ende 2015 auf Englisch.

Neben dem Hauptpreis wurden noch drei weitere Auszeichnungen vergeben. Der Kelag-Preis ging an den Schweizer Dieter Zwicky für Los Alamos ist winzig, der Preis des Fernsehsenders 3sat an die Berliner Autorin Julia Wolf für Walter Nowak bleibt liegen. Die Wiener Autorin Stefanie Sargnagel, bekannt geworden durch ihre auf Facebook geposteten Alltagsbeobachtungen, bekam den Publikumspreis. Insgesamt waren in diesem Jahr 14 Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Klagenfurt angetreten.

Der mit 25.000 Euro dotierte Ingeborg-Bachmann-Preis gilt als eine der wichtigsten literarischen Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum. Der Preisträger wird in einem Wettbewerb in Klagenfurt am Wörthersee ermittelt. Die Teilnehmer stellen ihre Texte, die bis dahin nur den Juroren bekannt sind, in Lesungen vor Publikum vor. Im Anschluss debattiert die Jury darüber.

Namensgeberin ist die österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (1926–1973). Im Juni hätte die in Klagenfurt geborene Lyrikerin ihren 90. Geburtstag gefeiert. Zu ihren bekanntesten Werken zählen Der gute Gott von Manhattan und Malina

Zu den Preisträgern der vergangenen Jahre gehören unter anderem Georg Klein, Uwe Tellkamp, Kathrin Passig, Tilman Rammstedt, Peter Wawerzinek und Katja Petrowskaja. Im vergangenen Jahr gewann die deutsche Lyrikerin Nora Gomringer den Hauptpreis.