Undsoweiter. Das ist ein Péter-Esterházy-Wort. Das Undsoweiter mitten im Satz wie ein leises, vornehmes, ironisches Seufzen im Roman, als habe der Autor kurzerhand beschlossen, dass etwas nicht weiter Bedeutung sei oder vielleicht zu groß, um jetzt hier an dieser Stelle davon zu berichten. Vielleicht später, vielleicht ein anderes Mal.

Nur kann Péter Esterházy uns davon nicht mehr erzählen. Er ist an diesem Donnerstag gestorben. Und damit all das Unerzählte und Verworfene und auch die Heiterkeit und diese sanfte Melancholie, die in jedem Undsoweiter, jedem Etcetera und jedem Punktpunktpunkt steckten. Wie in seinem gesamten Werk, und besonders in Harmonia Caelestis. Esterházys Monumentalroman, seiner überbordenden und überschießenden literarischen Fummelei aus Anekdoten, Schnurren, Historischem und Erfundenem, Anspielungen und Assoziationen, Zusammengesuchtem und Zitierten. Ein Panorama von knapp 1.000 Jahren ungarisch-österreichischer Geschichte, mit dem Esterházy endgültig in die Weltliteratur aufstieg, zur der seine ungarischen Zeitgenossen Imre Kertész und Péter Nádas bereits zählten.

Harmonia Caelestis ist ein Roman über seinen Vater, seine Väter, die zu "Mein Vater" wurden. Herzensbrecher, Schmierenkomödianten, Judenhasser, Tunichtgute, Frauenhelden, Feiglinge, Säufer und schlimmere Säufer, Lippizanerliebhaber, Muskatellertrinker, gebrochene Helden und lächerliche Figuren, die sagen, dass Pünktlichkeit die Höflichkeit der Könige sei und mit den Achseln zucken, sich von Braunschweiger Sonnenuntergängen rühren lassen und von Wegelagerern verdreschen.

Komik und Metakomik

Esterházys Meinvater ist eine der größten Vatergestalten der modernen Literatur, alle Esterházy-Väter vereint in einer heiligen und profanen mythologischen Gestalt, die Péter Esterházy in diesem Roman stürzte und zugleich verewigte und wiedereroberte. "Gott ist überall da, während mein Vater überall ist, nur nicht da."

Zehn Jahre hat Esterházy daran geschrieben. Hier feierte alles, was die literarische Avantgarde des 20. Jahrhunderts zu bieten hatte, ein Fest: die Sprachskepsis ebenso wie das Nicht-Erzählen, das Kapriziöse ebenso wie die Komik und die Metakomik, der Geist und die Geistesgegenwart, das klare Denken und das wilde Schreiben – und die Verweigerung von einer linearen Geschichte, die von vornherein formal und sprachlich dementiert wird. Bereits im ersten Satz steckte alle Unmöglichkeit und alle Freiheit der Literatur: "Es ist elend schwer zu lügen, wenn man die Wahrheit nicht kennt."

Seine Familiengeschichte war das einzige, was Péter Esterházy neben seinem Nachnamen von seinen adligen Vorfahren geerbt hatte, so wollte es die europäische Geschichte: Erst 1919 die Räterepublik, dann der Bauernaufstand, schließlich 1948 die Enteignung der Familie. Péter Esterházy, Freiherr von Galántha, Erbgraf zu Forchtenstein, Herr auf Czákvár und Gesztes, in Budapest geboren 1950, wuchs zwischen Melonenfeldern auf, wo es keine 400 Angestellten mehr gab, keine Lust- und Sommerschlösser mehr, in denen Joseph Haydn am Katzentisch gesessen hatte.

Er habe etwas verloren, das er nie besessen habe, sagte Esterházy einmal. Und wenn er seinen Nachnamen höre, der für viele Ungarn noch immer nach gloriosen Zeiten und noch glorioseren Fantasien klingt, zucke er zuweilen zusammen.

Literarische Vatergestalten

Sein Roman Harmonia Caelestis wurde oft eingereiht zu den Werken von Vargas Llosa, von Cortázar und García Márquez. Man könnte seine durchtriebene Auflösung des Erzählens auch mit dem Franzosen Raymond Queneau vergleichen, dessen Stilübungen uns 99 Mal die gleiche Geschichte erzählen vom Bus und dem Mann mit dem langen Hals, in immer anderen Sprachregistern und Tonlagen und mit immer anderer literarischer Erkenntnis.

Es waren Vatergestalten, die Esterházy oft in seinen Büchern umkreiste, nicht nur der literarisierte Vater, sondern auch die literarischen Väter, seine Meister. In seinem Produktionsroman von 1979, seinem ersten Roman, unternahm er Spaziergänge mit Kálmán Mikszáth, um mit ihm zu plaudern. Später, in seinem Roman Esti spielte er Dezső Kosztolányis Roman Estí Kornél weiter. Literatur, die in der Literatur lebte. "Dieses etwas, das wir umstehen und naserümpfend und aufgeregt betrachten – doch so, als wäre es gar nicht unser eigenes. Wirklich, es kreiselt und dreht sich um sich selbst wie ein begossener Pudel", hat Esterházy über das Leben geschrieben.

In seinen Büchern war sowohl dieses alberne begossene Pudelleben so präsent wie eben der Tod, sowohl des Vaters und Meinvaters, und auch der seiner Mutter, zu deren letzten Stunden er in den Hilfsverben des Herzens zurückgekehrt war und die er dann in Keine Kunst wiederauferstehen ließ. Mit ihr spazierte er durch Budapest, ein Meisterstück der literarischen Aus- und Abschweifung, und die Stadt wird zum Fußballfeld, denn Fußball war auch ein Lebensthema von Esterházy, der wusste, dass Nachspielzeit und Nachkriegszeit sich nicht unähnlich sind, und der den Satz "Rahn schießt, Toooor!" aus dem Finale von Bern 1954 den zweitschlimmsten Moment der ungarischen Geschichte nannte, gleich nach der russischen Invasion.