Der jordanische Autor und Journalist Nahed Hattar ist in der Hauptstadt Amman erschossen worden. Der Täter feuerte am Sonntag außerhalb eines Gerichtsgebäudes drei Schüsse auf den 56-Jährigen ab, wie die staatliche Nachrichtenagentur Petra berichtete.

Nach Angaben des arabischen Senders al-Arabiya war Hattar auf dem Weg zu seinem eigenen Prozess, als er ermordet wurde. ZEIT-Redakteur Yassin Musharbash, der drei Stunden nach dem Mordanschlag am Tatort war, berichtet, dass vor Ort keine Spuren mehr zu sehen waren. Zeugen zufolge sei der Täter sofort festgenommen und abgeführt worden.

Es handelt sich um Riad Ismail A., einen 49-jährigen Mann aus Amman, der den Behörden als Extremist bekannt ist. Dies berichtet die Zeitung Jordan Times und beruft sich dabei auf Geheimdienstinformationen. In einem ersten Geständnis habe Riad Ismail A. ausgesagt, er habe Hattar wegen der umstrittenen Karikatur getötet, die dieser im August auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hatte. Ob der mutmaßliche Attentäter im direkten Kontakt zum "Islamischen Staat" (IS) stand, ist bislang nicht bekannt.

Hattars Familie gab dem jordanischen Staat eine Mitschuld an dem Mord, wie die Zeitung Al Rai daily schreibt. Demnach hatte Hattar dem Gouverneur von Amman eine Liste von knapp 200 Personen geschickt, die ihm Todesdrohungen geschickt haben sollen. Der Gouverneur habe die Liste ignoriert.

Hattar war für die Veröffentlichung der Karikatur angeklagt gewesen. Die Zeichnung eines unbekannten Karikaturisten zeigt einen IS-Kämpfer, der mit zwei Frauen im Bett liegt und Gott bittet, ihm ein Getränk und Nüsse zu bringen. Der mit weißem Bart und goldener Krone gezeichnete Gott öffnet von außen den Vorhang und schaut in das Zimmer.

Die Karikatur war von vielen Menschen als beleidigend und gotteslästerlich empfunden worden. Sie heißt Gott von Daesh. Mit Daesh wird der IS bezeichnet. Hattar, ein Unterstützer des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, wurde nach dem Erscheinen der Zeichnung in Jordanien wegen Beleidigung des Islam angeklagt. Der christliche Schriftsteller hatte zuvor mitgeteilt, dass es nicht seine Absicht gewesen sei, alle Muslime lächerlich zu machen. Er hätte lediglich zeigen wollen, wie sich IS-Terroristen Gott und den Himmel vorstellten.

Es gilt in der muslimischen Welt als ein Sakrileg, Gott bildlich darzustellen. Für Aufregung sorgte auch, dass Gott in diesem Fall als Diener von IS-Kämpfern dargestellt wurde. Für die Veröffentlichung war Hattar vor allem von der Muslimbruderschaft und von radikalen Salafisten scharf kritisiert worden. IS-Anhänger hatten unter anderem auf Twitter seinen Tod gefordert. Aber auch normale Gläubige hatten die Veröffentlichung kritisiert. Unterstützung fand der linke Kolumnist kaum.