Der italienische Literaturnobelpreisträger Dario Fo ist tot. Der Dramatiker und Regisseur sei im Alter von 90 Jahren gestorben, meldeten italienische Medien am Donnerstag. Fo hatte 1997 den Literaturnobelpreis für sein außergewöhnliches Talent und seine politische und soziale Theaterarbeit erhalten. Der politisch äußerst engagierte Theatermann galt als Erneuerer der Commedia dell'arte.

Der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera zufolge starb Fo in einem Krankenhaus in Mailand, wo er den Berichten zufolge zwölf Tage wegen Lungenproblemen in Behandlung war.

Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi sprach der Familie des verstorbenen Literaturnobelpreisträgers sein Beileid aus. "Mit Dario Fo verliert Italien eine seiner großen Hauptfiguren des Theaters, der Kultur, des bürgerlichen Lebens unseres Landes", zitierten italienische Nachrichtenagenturen Renzi. "Seine Satire, seine Recherche, seine Arbeit auf der Bühne, seine vielseitige künstlerische Tätigkeit bleiben als Erbe eines großen Italieners in der Welt."

Polit-Clown und Gesellschaftskritiker

Fo kam am 24. März 1926 in einem Dorf am Lago Maggiore zur Welt. Im Zweiten Weltkrieg half er seinem Vater als 14-Jähriger im antifaschistischen Widerstand, Flüchtlinge und Deserteure in die Schweiz zu schmuggeln. Nach dem Studium der Kunst und Architektur in Mailand arbeitete er als Schauspieler und für den Rundfunk. 1959 gründete er zusammen mit seiner Frau Franca Rame die Theatergesellschaft la Compagnia Dario Fo-Franca Rame.

Der Autor war für seinen Sprachwitz bekannt, wurde auch als Polit-Clown bezeichnet. Im Theater verkörperte er lüsterne Päpste, skurrile Politiker und redegewaltige Trunkenbolde. Fo thematisierte in seinen Werken auch die Mafia, Waffenindustrie oder Umweltsünden.

Sein internationaler Durchbruch gelang Fo 1960 mit der Komödie Gli arcangeli non giocano a flipper (Erzengel spielen nicht am Flipper). Weitere wichtige Werke sind Mistero buffo (1969), Morte accidentale di un anarchico (Zufälliger Tod eines Anarchisten, 1970), und Clacson, trombette e pernacchi (Hohn der Angst, 1981). Viele Stücke hatte er mit seiner 2013 gestorbenen Frau Franca Rame geschrieben, weshalb Fo stets von "unserem Nobelpreis" sprach.

Unterstützer der Fünf-Sterne-Bewegung

1968 rief Fo wieder zusammen mit seiner Frau in Mailand das Theaterkollektiv La Comune ins Leben, mit dem er politische und gesellschaftskritische Stücke aufführte. Durch sein politisches Engagement wurde Fo in zahlreiche Prozesse und Kontroversen mit dem italienischen Staat und dem Vatikan verwickelt. Auch für die Kommunistische Partei war er aktiv. Er war rund 40 Mal wegen Beleidigung und Verhöhnung der Mächtigen vor Gericht geladen, mehrmals wurde er von der Bühne abgeführt. Im italienischen Fernsehen hatte er jahrelang Auftrittsverbot.

Fo setzte sich auch kritisch mit der Mitte-Rechts-Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi auseinander. 2006 trat er als Kandidat der Mitte-Links-Opposition bei der Bürgermeisterwahl in Mailand an, allerdings ohne Erfolg. Er gehörte zu den prominentesten Unterstützern des Komikers und Politikers der Fünf-Sterne-Bewegung Beppe Grillo.

Mehr als 30 Werke Fos wurden ins Deutsche übersetzt, darunter Mistero Buffo (1969), Die offene Zweierbeziehung (1983), Sex? – Aber mit Vergnügen! (1994) und Der Teufel mit den Titten (1997).