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Seit Jahren stehen dieselben Autoren als wahrscheinliche Preisanwärter auf den Listen der Wettbüros, aber weder Haruki Murakami noch Philip Roth, Ngũgĩ wa Thiong'o, Bob Dylan oder Adonis wurden bisher ausgezeichnet. Es hieß sogar: Wer lange als Aspirant gilt, wird den Nobelpreis nie bekommen. Es müsse ja einen Grund haben, warum sich die auf Lebenszeit besetzte Jury nicht auf den jeweiligen Autor einigen konnte.

Nun also doch Bob Dylan. Der amerikanische Musiker wird für seine herausragende Songlyrik ausgezeichnet.

Es sind zwölf Männer und sechs Frauen, die darüber entschieden haben, wer die wichtigste Auszeichnung der literarischen Welt erhält. Das Literaturkomitee der Nobelpreisakademie besteht aus schwedischen Sprachforschern, Schriftstellern, Literaturwissenschaftlern und Historikern, ihre Vorsitzende ist Sara Danius. Über die Kriterien der Jury wird seit jeher viel spekuliert. Für das Publikum wirken die Entscheidungen meist erratisch.

Auch Statistiken halfen noch nie bei der Prognose: Der durchschnittliche Literaturnobelpreisträger ist 65 Jahre alt. Seit 1901 wurden 112 Preisträger gekürt, darunter waren 14 Frauen, 13 deutschsprachige Autoren, 27 haben ihre Werke auf Englisch publiziert.   

Proporz interessiert die Jury nicht

In diesem Jahr fiel oft der Name des israelischen Schriftstellers David Grossman. Auch der Rumäne Mircea Cǎrtǎrescu gilt als nicht unwahrscheinlicher Preisträger. In den vergangenen Tagen sind zudem die Quoten für den Amerikaner Don DeLillo gestiegen. Ob es eine politische Auszeichnung werden würde wie im vergangenen Jahr? Wann gab es zuletzt einen Preisträger aus Afrika? Wäre es nicht Zeit für einen Dramatiker? Dann hätte es der Norweger Jon Fosse werden können. Die Publikumsspekulationen vor der Preisvergabe beruhen häufig auf Proporzüberlegungen. Aber die Jury selbst scheut die Auszeichnung von Autoren, die als Repräsentanten eines Genres, einer Kultur oder einer gesellschaftlichen Gruppe gelten, heißt es. 

"Es gibt eigentlich nur ein Kriterium: Qualität", sagt die Vorsitzende des Komitees, Sara Danius. Der Preisträger soll ein Werk geschaffen und nicht nur ein paar Bücher veröffentlicht haben. Außerdem müsse er der Literatur "etwas Neues" geschenkt haben, sagt sie. Bob Dylan, der diesjährige Preisträger, hat sogar der Musik etwas Neues geschenkt.