Die Schriftstellerin Ilse Aichinger ist am Freitag mit 95 Jahren in Wien gestorben. Das sagte ihre Tochter Mirjam Eich in Berlin.

Die österreichische Dichterin stammte aus einer jüdischen Familie und überlebte die Nazizeit gemeinsam mit ihrer Mutter in einem Versteck in ihrer Geburtsstadt Wien. 1948 wurde sie mit dem Roman Die größere Hoffnung schlagartig bekannt. In den 1950er Jahren war sie häufig bei Treffen der Gruppe 47 zu Gast. Dort lernte sie auch den Schriftsteller Günter Eich kennen, den sie 1953 heiratete und mit dem sie zwei Kinder bekam.

Aichinger galt als literarische Einzelgängerin und schuf in geheimnisvoller, verrätselter Sprache Werke von analytischer Schärfe und lyrischer Kraft. Für ihre Gedichte, Erzählungen und Hörspiele wie Knöpfe wurde sie mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt.

Das schriftstellerische Werk von Aichinger, das seine Wurzeln in den 1938 begonnenen Tagebuchaufzeichnungen hatte, blieb eher minimalistisch, Die größere Hoffnung blieb ihr einziger Roman. Ihr Ziel war vielmehr das "Immer-knapper-Werden"