Auf der Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse finden sich in der Kategorie Belletristik vier Romane und – nach der Premiere im Jahr 2015 – erneut ein Gedichtband. So gehört neben Lukas Bärfuss mit Hagard, Brigitte Kronauer mit Der Scheik von Aachen, Anne Weber mit Kirio und Natascha Wodin mit Sie kam aus Mariupol auch Steffen Popp mit 118. Gedichte zu den Nominierten. Die Jury-Vorsitzende Kristina Maidt-Zinke sprach von "einer guten Mischung", gab aber zu bedenken: "Gerade in der Belletristik ist es uns nicht leicht gefallen, uns auf fünf überzeugende Titel zu einigen".

Die Bandbreite der Kandidaten reicht vom Roman mit dokumentarischen Charakter bei Wodin, die dem Leben ihrer ukrainischen Mutter nachspürt, bis hin zum Schweizer Schriftsteller und Dramaturg Bärfuss, der in Hagard eine surreal anmutende Verfolgungsjagd inszeniert. Bei Kronauer überzeugte die Jury nach Angaben von Maidt-Zinke vor allem "der kunstvolle Umgang mit Sprache". 

Nach Einschätzung von Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses Hamburg, hat die Jury mit ihrer Auswahl so sehr wie noch nie hohe ästhetische Maßstäbe gesetzt. "Das wird für die Leser ein nicht geringer Anspruch sein, sich bei den Titeln zurecht zu finden." Die Jury habe eine "kühne Liste" aufgestellt.

Dazu gehört nun auch der Gedichtbank von Popp, mit dem die Jury überhaupt erst zum zweiten Mal einen Lyriker in die engere Auswahl für den mit insgesamt 60.000 Euro dotierten Buchpreis aufgenommen hat. Vor zwei Jahren war Jan Wagner nicht nur als erster Lyriker nominiert worden, sondern hatte mit seinen Regentonnenvariationen den Leipziger Buchpreis sogar gewonnen. 

In der Sachbuchkategorie wählte die Jury Leonhard Horowski (Das Europa der Könige), Klaus Reichert (Wolkendienst), Jörg Später (Siegfried Kracauer), Barbara Stollberg-Rilinger (Maria Theresia) und Volker Weiß mit seinem Buch Die autoritäre Revolte, mit dem er an das aktuelle Erstarken der Rechtspopulisten anknüpft. So porträtiert er Akteure der Szene und beleuchtet Phänomene wie Pegida und AfD.

Für ihre Leistungen als Übersetzer haben Gregor Hens (aus dem Englischen: Shark von Will Self), Gabriele Leupold (aus dem Russischen: Die Baugrube von Andrej Platonow), Petra Strien (aus dem Spanischen: Die Irrfahrten von Persiles und Sigismunda von Miguel Cervantes) und Holger Fock und Sabine Müller Chancen auf den Gewinn des Preises. Die beiden Letzteren sind nominiert für ihre Übersetzung des französischen Romans Kompass von Mathias Énard, der wiederum den diesjährigen Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung entgegennehmen soll.

Der Leipziger Buchpreis zählt zu den wichtigsten Literaturauszeichnungen in Deutschland. Mehr als 100 Verlage hatten in den vergangenen Monaten 365 Titel eingereicht. Die Preisträger werden am 23. März zu Beginn der Leipziger Buchmesse gekürt.