Der spanische Schriftsteller und Orientexperte Juan Goytisolo ist verstorben. Wie die Agentur Carmen Balcells in Barcelona mitteilte, starb der Autor im Alter von 86 Jahren in seinem Haus in Marrakesch (Marokko).

Goytisolo wurde 1931 in Barcelona geboren. Mit 24 Jahren ging er als Gegner des Regimes von Diktator Francisco Franco ins Exil nach Paris. In seiner Heimat waren seine Werke zwischen 1963 und dem Tod Francos im Jahr 1975 verboten. Viele seiner Bücher, etwa die Trilogie Identitätszeichen, Rückforderung des Grafen Don Julian und Juan ohne Land oder Trauer im Paradies, kritisieren das Franco-Regime und die spanische Nachkriegsgesellschaft.

In den 1960er Jahren unternahm der Autor viele Reisen, unter anderem nach Lateinamerika, Nordafrika und in den Nahen Osten. Goytisolo galt als Mittler zwischen Kulturen und Religionen. Er unterrichtete danach an verschiedenen US-Universitäten, bevor er in seinen Memoiren über seine Kindheit, Jugendzeit und seine Homosexualität schrieb.

Nach dem Tod seiner langjährigen Ehefrau, der französischen Autorin, Übersetzerin und Schauspielerin Monique Lange, im Jahr 1996 ließ sich Goytisolo in Marokko nieder. Dort adoptierte er drei Kinder, die er in seinem Testament zu seinen Universalerben erklärte.

Goytisolo galt seit Jahren als Anwärter für den Literaturnobelpreis. 2014 erhielt der Schriftsteller den renommierten Cervantes-Preis. "Goytisolo repräsentiert eine der Spitzen der spanischen Literatur, vor allem in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg", hieß es in der Urteilsbegründung der Jury.