Die Äußerungen des Schriftstellers Uwe Tellkamp während einer Gesprächsrunde im Dresdner Kulturpalast vergangene Woche haben eine Diskussion über rechte Positionen in öffentlichen Debatten ausgelöst. Nun äußert sich Durs Grünbein, der mit Tellkamp auf dem Podium saß, in der ZEIT (15. März 2017): "Was wir von Tellkamp zu hören bekamen, ist uns seit Jahren von den Teilnehmern an den Pegida-Demonstrationen bekannt." Dazu zählten "Islamophobie, Furcht vor dem Anderen, Verschwörungsfantasien, diffuse Sozialängste".  

Während der Veranstaltung im Rahmen der Kampagne Kulturhauptstadt Dresden 2025 (Video) sprachen Grünbein und Tellkamp über gesellschaftliche Themen der Gegenwart, die Flüchtlingskrise, die Veränderungen der Gesellschaft und über Bundespolitik. Tellkamp hatte dabei anhand zahlreicher Beispiele sein Unwohlsein artikuliert. Er sprach von einem "System", angeführt von einer Regierung, die "die Kontrolle verloren hat" und "Journalisten, die im Vorhinein auf Regierungslinie sind". Grünbein hatte unter anderem erwidert, dass er keine "alarmistische Stimmung" verspüre. 

Der Suhrkamp Verlag, in dem sowohl Tellkamps als auch Grünbeins Bücher erscheinen, war wenige Tage später auf Distanz zu Tellkamp gegangen. "Die Haltung, die in Äußerungen von Autoren des Hauses zum Ausdruck kommt, ist nicht mit der des Verlags zu verwechseln", teilte der Verlag auf Twitter mit. Das hält Grünbein für ein "absolut falsches Signal". Der Verlag stehe nun als "linksliberaler Spießerverein" da und habe so "das Vorurteil von der Gesinnungsdiktatur nur bestätigt", sagte er der ZEIT.

Auch Tellkamps Einschätzung, es gebe in Deutschland eine Meinungszensur, teilt Grünbein nicht. Diejenigen, die diesen Vorwurf am lautesten artikulierten, "sitzen doch inzwischen im Bundestag und können publizistisch aus allen Rohren feuern". Was es allerdings "ohne Zweifel" seit einiger Zeit gebe, sei "eine geistige Prüderie, einen Alarmismus, der beklagenswert ist".

Grünbein sprach auch über Thilo Sarrazin und dessen Streitschrift Deutschland schafft sich ab. Der Streit über den Publizisten im Jahr 2010 sei eine "Ursünde" medialer Hysterisierung gewesen. "Statt sich mit dem Buch, in dem es viel Diskriminierendes gab, auseinanderzusetzen, wurde der Autor dämonisiert", sagte er. Das habe ihn "fassungslos gemacht". Er wünsche sich "dringend eine Rehabilitierung von Sarrazin als Mensch".

Das ausführliche Gespräch mit Durs Grünbein finden Sie unter diesem Link (Abo).