Der US-amerikanische Schriftsteller Tom Wolfe ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Das berichtete die New York Times unter Berufung auf Wolfes Agenten.

Zu seinen bekanntesten Werken gehört der Roman Fegefeuer der Eitelkeiten. Wolfe lebte in New York, wo er ab 1962 für den New York Herald Tribune arbeitete. Er gilt als Miterfinder des New Journalism, der nonfiktionale Elemente mit Literatur verbindet.

The Kandy-Kolored Tangerine-Flake Streamline Baby hieß sein erstes Werk dieser Art. 1965 erschienen, gilt es als eines der Grundsteine des New Journalism. Wolfes Schreibstil war weit vom genormten, sachlich-objektiven Agenturstil entfernt. Ähnlich wie Norman Mailer oder Truman Capote versuchte er, in seinen Werken Journalismus mit literarischem Anspruch zu verbinden.

Das höchst subjektive, sehr konkrete und detailverliebte Beschreiben nahm in Amerika wie in Europa Einfluss auf eine ganze Generation nachwachsender Reporter.

Wolfe arbeitete nach dem Studium an der Eliteuniversität Yale als Autor und Reporter verschiedener Zeitungen, darunter bei der Washington Post, dem Herald Tribune in New York oder dem Esquire Magazine. Er widmete sich der Kunst- und Architekturkritik und sprach sich gegen die kritiklose Übernahme europäischer Architektur in den USA aus.  

Schon ab dem Ende der Siebzigerjahre schrieb er Romane. Fegefeuer der Eitelkeiten kam zum Börsencrash von 1987 in den Buchhandel. Mit scharfsinnigen Worten beschreibt das Werk den Aufstieg und Fall eines New Yorker Investmentbankers. Das Buch wurde ein Welterfolg. Der 1996 erschienene Roman A Man in Full beschreibt auf 960 Seiten in Wolfes typischem lautmalerischen Stil die Geschichte des alternden Immobilien-Tycoons Charlie Croker. Später folgten Essaysammlungen und ein dritter Roman mit dem Titel  I Am Charlotte Simmons. Einige seiner Bücher illustrierte der begabte Zeichner selbst. 

Wolfe erhielt zahlreiche Preise, darunter den American Book Award. Seine Werke lösten unterschiedliche Reaktionen aus. International gab es neben Lob auch harsche Verrisse. Die Literaturkritik stritt lange und heftig über die Frage, welche Berechtigung faktengesättigte Literatur hat.