Der Schriftsteller Dieter Wellershoff ist tot. Er starb im Alter von 92 Jahren in Köln, wie eine Sprecherin seines Verlags Kiepenheuer & Witsch mitteilte.

Wellershoff hat 60 Jahre lang literarisch gearbeitet. 1956 kam sein erstes Hörspiel heraus, 1966 mit Ein schöner Tag der erste Roman. Es folgten insgesamt 40 Romane, Novellen, Theaterstücke, Drehbücher und Essaybände. Von der Kritik fast einhellig gelobt, ließ der große Durchbruch beim Publikum lange auf sich warten: Erst sein Roman Der Liebeswunsch wurde im Jahr 2000 zum Auflagenerfolg und später auch fürs Kino verfilmt.

Wellershoff war nicht nur Erzähler, sondern vor allem Essayist. Er begleitete die Bundesrepublik seit ihren frühesten Tagen. Über den Band Angesichts der Gegenwart schrieb ein Rezensent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: "Dieses Buch verwirrt durch den Mangel an Irrtümern." Unkenrufe und Polemik waren ebensowenig Sache von Wellershoff wie wohlfeile Ratschläge an die Politik. Mit seinen Schlussfolgerungen lag er aber oft richtig.

1925 in Neuss geboren, war der Zweite Weltkrieg das prägende Erlebnis in Wellershoffs Leben. Als Soldat – mit 17 Jahren meldete er sich freiwillig – wurde er verwundet und verbrachte mehrere Monate im Lazarett. In vielen seiner späteren Romane, Novellen, Theaterstücke und Essays – etwa in Der Ernstfall von 1995 – befasste er sich mit diesen Kriegserfahrungen. "Es ist so unwahrscheinlich, dass ich das überstanden habe. Ich habe so viele Tote, so viele Sterbende gesehen", sagte er einmal.

Die Raketenwerfer, die ganze Kompanien niedermähten, standen ihm noch als Hochbetagtem klar vor Augen, ebenso wie Hermann Göring: "Das war ein richtiger Popanz, wie er da an uns vorbeimarschiert ist. 'Wo ich vorbei bin, kann gerührt werden!' Das bedeutete dann, dass man lockerer stehen durfte." Als 2009 Wellershoffs NSDAP-Mitgliedschaft bekannt wurde, versicherte er, dies sei ohne sein Wissen erfolgt: "Ich wäre nie auf die Idee gekommen, in die NSDAP einzutreten."

Zuletzt verwies Wellershoff in Gesprächen nur noch auf seinen mit einer Schutzhülle abgedeckten Computer. Kurz vor seinem 90. Geburtstag bekannte er der Deutschen Presse-Agentur: "Ich habe alles gesagt".