Die besten Bücher für jedes Gepäck

Ein Buch für den Nachttisch


Céline Minard: Das große Spiel

Auf 2.000 Metern Höhe richtet sich eine namenlose Frau in der Bergeinsamkeit ein – und stellt sich den ganz großen Fragen des Lebens. Gekonnt vereint Céline Minard Philosophie und Cliffhanger; Kletter- und Survivaltipps gibt es gratis dazu. Falls es diesmal kein Urlaub in den Bergen ist, dann ganz sicher demnächst. (Anja Kümmel)


Esther Kinsky: Hain

Ein Vademecum für alle Tage, an denen man mit sich allein ist. Denn dieses Buch führt uns mit seinen so unspektakulären wie genauen Beobachtungen zu den Fundamenten unserer Existenz: Wir begegnen römischen Landschaften und Friedhöfen und erkennen in diesem "Gelände" den Wesensgrund unseres Daseins. (Michael Braun)


Alban Nikolai Herbst: Thetis. Anderswelt

Als wir noch dem Dödeln der ISDN-Modems lauschten, schrieb Alban Nikolai Herbst bereits über das Digitale, nicht als Techniktraum, sondern als Lebensmodus: über kybernetische Fiktionen und darüber, wie wir uns im fantastischen Raum des Internets entwerfen. Der erste Teil ist überarbeitet neu aufgelegt worden. (Samuel Hamen)


Cormac McCarthy: Verlorene

Schon doof, dass Philip Roth den Nobelpreis nicht bekommen hat. Noch viel schlimmer, dass Cormac McCarthy ihn auch nicht bekommen wird. Wie ein schwarzer Solitär ragt der mittlerweile 84-Jährige in die Gegenwart hinein, und dieser Roman über eine düstere Schattenwelt im Tennessee der Fünfzigerjahre mit all ihren hoffnungslosen Existenzen ist neben Blood Meridian sein Hauptwerk. Ein Wahnsinnsbuch. (Christoph Schröder)


Alexander Schimmelbusch: Hochdeutschland

Ein Investmentbanker will nicht mehr. Das wäre vielleicht die Kurzfassung von Alexander Schimmelbuschs erfrischend garstigem Roman, der die moralischen Verwahrlosungen, den Zynismus unseres Spätkapitalismus sehr gekonnt und originell vorführt. (David Hugendick)      


Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann

Niemand versteht es so betörend wie Mariana Leky, mit solcher Selbstverständlichkeit über die Liebe und über den Tod zu erzählen und ihre Figuren genauso wie uns Leser über den Schmerz hinwegzutragen, den nicht nur Letzterer uns zufügt. Wen nachts schwere Gedanken plagen, dem wird dieser Roman nicht nur Trost sein, sondern ein großes Vergnügen. (Wiebke Porombka)


Jean-Christophe Bailly: Fremd gewordenes Land. Streifzüge durch Frankreich

Ein Buch, das man nicht in einem Zug durchlesen muss, sondern das Kapitel für Kapitel eine eigene Kraft entfaltet. Der gegenwärtige Zustand Frankreichs wird hier auf genauso sehnsüchtige wie schonungslose Weise beschrieben: verschwiegene und unbekannte poetische Orte, der Verlust vertrauter Umgebungen, mögliche Widerstandskräfte innerhalb der Globalisierung. Ein Essay im besten Sinn: analytisch und literarisch gleichermaßen. (Helmut Böttiger)


Angela Steidele: Anne Lister

Klarer Fall: Angela Steideles erotische Biografie über die erstaunliche Anne Lister, die im 19. Jahrhundert den Frauen in England den Kopf verdrehte. Bettgeschichte sozusagen. (Insa Wilke)


John Fante: 1933 war ein schlimmes Jahr

In schlimmen Zeiten blühen Träume besonders üppig: Die Weltwirtschaftskrise hat die USA fest im Griff. Dominic Molise, Sohn italienischer Einwanderer, wächst in einer Kleinstadt am Fuß der Rocky Mountains auf. Und wünscht sich nichts sehnlicher, als ein Baseballstar zu werden. Ein wunderbarer, zugleich witziger und anrührender Roman über das Erwachsenwerden, die Sehnsucht und die normative Kraft des Sozialen. (Ulrich Rüdenauer)


Cixin Liu: Die drei Sonnen und Der dunkle Wald

Wenn man den überschwänglichen Kritiken glauben darf, sind die Bücher von Cixin Liu das Bewusstseinsweitendste, was es in der Weltliteratur gerade zu lesen gibt. Es muss extrem krass sein, mehr können wir vorläufig leider noch nicht sagen. Wollen die 592 plus 816 Seiten aber diesen Sommer unbedingt lesen. Im Frühjahr 2019 erscheint der letzte Band der Solaris-Trilogie, noch mal 800 Seiten. (Tobias Haberkorn)


Irmgard Keun: Das Werk

Irmgard Keun war die aufregendste und witzigste Autorin der Weimarer Republik. Eigentlich hätte sie eine Ikone ihrer Zeit – nein, des ganzen 20. Jahrhunderts – werden sollen. Jetzt gibt es endlich eine Neuausgabe ihres herrlich krawalligen und null verstaubten Gesamtwerks. Wenn sich Übergepäck lohnt, dann für diese 3,5 Kilo Scharfsinn. (Carolin Würfel)