Die besten Bücher für jedes Gepäck

Ein Buch, das kaum Platz im Koffer wegnimmt


Madame Nielsen: Der endlose Sommer

Madame Nielsens schmaler, aber gehaltvoller Roman bündelt die Erzählgegenwart eines scheuen Jungen und die Erinnerung einer alten Frau zu einem flirrenden, überhellen Jetzt. Die Lektüre lässt einen geblendet zurück, als hätte man direkt in die Sonne geschaut. Umso mehr wünscht man sich, der Sommer möge nie zu Ende gehen. (Anja Kümmel)


Kenah Cusanit: Chronographe Chorologien I

 Auf 40 Seiten durchwandert die eigensinnige Altphilologin und Dichterin Kenah Cusanit die gesamte Menschheitsgeschichte. Der Prolog beginnt mit einem klimakatastrophischen Szenario aus dem Jahr 2029, am Ende verfangen wir uns in den Fallstricken der Frühgeschichte, 3000 v. Chr. (Michael Braun)


Toni Morrison: Die Herkunft der anderen

In sechs Essays spricht die Nobelpreisträgerin über Rassismus, welcher die Geschichte der USA ebenso durchzieht wie Morrisons Bücher. Auf dem Buch liegt der Fluch der schmerzlichen Aktualität: Ihm wird sobald nicht vergönnt sein, auch nur drei Staubkörner anzusetzen. (Samuel Hamen)


Birgit Schönau: La Fidanzata

"La Fidanzata", die Verlobte, so nennen die Italiener den Fußballclub Juventus Turin. Birgit Schönau, Italien-Korrespondentin der Süddeutschen Zeitung, hat nicht einfach nur ein Fußballbuch geschrieben. Sie erzählt die spannende und wechselreiche Geschichte der Familie Agnelli, die den Fiat-Konzern auf- und Italien in eine Industrienation umbaute. Sie berichtet von Tragödien und davon, wie man sie im mondänen Turin verkraftet: mit Haltung und Noblesse. (Christoph Schröder)


Sayaka Murata: Die Ladenhüterin

Nur 145 Seiten hat dieses Buch, doch danach wird seine Hauptfigur Keiko lange nicht mehr vergessen. Eine Frau, die eins werden will mit dem Supermarkt, in dem sie arbeitet. Es ist die vollendete Entfremdung, von der diese herzbitterliche, absurd komische Groteske erzählt. (David Hugendick)   


Dana Grigorcea: Die Dame mit dem maghrebinischen Hündchen

Die heilsamste Lektüre, wenn man mal wieder glaubt, den Mann oder die Frau des Lebens getroffen zu haben. Dana Grigorceas luftig leichte, tänzelnde Novelle stellt zumindest höflich die Frage, ob es nicht doch immer nur wieder dasselbe ist mit der Liebe und dem Verliebtsein. (Wiebke Porombka)


Ilinca Florian: Als wir das Lügen lernten

Hier wird vollkommen glaubwürdig aus der Perspektive eines fünf- oder sechsjährigen Mädchens erzählt, ohne dass es mädchenhaft klingt. Das ist ein faszinierendes Kunststück. Es gelingt durch die knappe Sprache, die alles Wesentliche auslässt, aber gerade dadurch einen riesigen Assoziationsraum entfaltet. Dass es dabei hochpolitisch zugeht und die Zustände im Rumänien der zu Ende gehenden Ceaușescu-Ära beschrieben werden, setzt noch eins drauf.  (Helmut Böttiger)


Felicitas Hoppe: Prawda. Eine amerikanische Reise

Von Boston nach Los Angeles und zurück nach New York: Auf den Spuren zweier russischer Schriftsteller, die diese Reise vor 80 Jahren unternommen haben, entdeckt die sprachmächtige Autorin mit ihrer kleinen Reisegruppe ein Amerika, das ebenso kurios wie klischeehaft, provinziell und modern ist. (Ulrich Rüdenauer)


Geoffroy de Lagasnerie: Denken in einer schlechten Welt

Machen wir uns nichts vor. Die Welt ist schlecht, wer noch irgendwen oder irgendwas entlarven will, versucht, einen nackten Mann auszuziehen. Das Erfrischende an dieser Streitschrift ist, dass sie gar nicht erst damit anfängt, nuanciert sein zu wollen. (Tobias Haberkorn)


Chimamanda Ngozi Adichie: Liebe Ijeawele. Wie unsere Töchter selbstbestimmte Frauen werden

Wer noch nicht verstanden hat, warum Feminismus eine Selbstverständlichkeit sein sollte, möge dieses Buch lesen. Die nigerianische Autorin hat 15 Vorschläge, wie man die eigene Tochter (und sich gleich mit) zu einem selbstbestimmten Wesen jenseits dämlicher Geschlechterrollen erziehen kann. Kein Hexenwerk, sondern tatsächlich kinderleicht. (Carolin Würfel)