Oleg Jurjew ist tot. Wie sein Verlag mitteilte, ist der deutsch-russische Schriftsteller in der Nacht zum Donnerstag im Alter von 58 Jahren gestorben. "Mit Oleg Jurjew verlieren wir alle einen wunderbaren Autor – und die Literatur hat einen großen und unermüdlichen Vorkämpfer für ihre Sache verloren", teilte der Verbrecher Verlag, in dem Jurjew veröffentlichte, mit.

1959 in Sankt Petersburg geboren studierte Jurjew Wirtschaftsmathematik und Systemtheorie an der dortigen Hochschule für Volkswirtschaft und Finanzen. Im Jahr 1984 verfasste er sein erstes Bühnenstück, später kamen Essays, Buchbesprechungen sowie Prosa hinzu. In den letzten Jahren der Sowjetunion arbeitete er als Übersetzer aus dem Englischen sowie als Autor von Kinderbüchern und Gedichten. Zahlreiche Stücke von ihm wurden in Russland aufgeführt.

Seit 1991 lebte Jurjew zusammen mit seiner Frau, der Autorin Olga Martynova, und seinem Sohn, dem Übersetzer Daniel Jurjew, in Frankfurt am Main. 

Antisemitismus war eines seiner literarischen Hauptthemen

Jurjew, selbst Sohn assimilierter Juden, beschäftigte sich in seinem literarischen Schaffen viel mit Antisemitismus. In seiner Arbeit als Kolumnist schrieb er auch über Weltliteratur. "Es ging ihm darum, Poesie und Literatur hochzuhalten gegen das Profane und Alltägliche", schreibt sein Verlag.

Er veröffentlichte auf russisch sowie in deutscher Übersetzung die Romane Frankfurter Stier, Spaziergänge unter dem Hohlmond, Der neue Golem oder Der Krieg der Kinder und Greise und Die russische Fracht sowie mehrere Dramen und zahlreiche Essays und Aufsätze zur Literatur. Zuletzt erschienen von Jurjew In zwei Spiegeln. Gedichte und Chöre, eine überarbeitete Neuausgabe seines Romans Halbinsel Judatin, und – im Jahr 2017 – sein erster auf Deutsch verfasster Roman Unbekannte Briefe.

Seine Werke wurden vielfach ausgezeichnet. So gewann er 1988 mit seinem Theaterstück Komische Geschichten für Schattentheater den Wettbewerb des russischen Theaterverbandes. 2010 erhielt Jurjew den mit 15.000 Euro dotierten Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil der Stadt Heidelberg. Seine Texte wurden ins Deutsche, Französische, Englische, Italienische, Tschechische, Polnische und Bulgarische übersetzt.