Als Konsequenz aus dem Belästigungs- und Korruptionsskandal um die Schwedische Akademie gibt es 2018 keinen Literaturnobelpreis. Eine Gruppe schwedischer Kulturschaffender hat nun angekündigt, einen alternativen Preis zu vergeben. Der Literaturpreis der Neuen Akademie (Nya Akademien) soll im Oktober verliehen werden.

Die Neue Akademie sei gegründet worden, um sicherzustellen, dass 2018 ein internationaler Literaturpreis verliehen wird, heißt es in einem Statement der Gruppierung, so solle aber auch daran erinnert werden, dass Literatur mit "Demokratie, Offenheit, Empathie und Respekt" verbunden werden sollte. Zu einer Zeit, in der Werte der Menschheit immer mehr infrage gestellt werden, werde Literatur zur Kraft gegen "Unterdrückung und einen Code des Schweigens".

Der Skandal um die Akademie begann mit Belästigungsvorwürfen gegen den Ehemann eines Akademiemitglieds. 18 Frauen werfen dem Beschuldigten, der zum engsten Kreis um die Akademie gehörte, vor, sie sexuell belästigt zu haben. Da sie mit dem Umgang der Institution mit den Vorwürfen nicht einverstanden waren, legten acht von 18 Mitgliedern ihre Arbeit nieder. Die Akademie kündigte an, den Preis für 2018 erst ein Jahr später zusammen mit dem Preis für 2019 zu verleihen. Bis dahin müsse sie erst das verlorene Vertrauen zurückgewinnen.

Auch die Öffentlichkeit kann an der alternativen Auszeichnung mitwirken. Im ersten Schritt konnten schwedische Bibliotheken Autorinnen und Autoren nominieren. Aus den Vorschlägen wurde eine Auswahlliste mit 45 Nominierten zusammengestellt. Bis  zum 14. August können Interessierte nun in einer Onlineabstimmung ihre Stimme abgeben. Eine fünfköpfige Jury soll dann aus den drei Bestplatzierten den Gewinner des Preises auswählen. Die Entscheidung der Jury soll am 14. Oktober bekannt gegeben werden. Die offizielle Verleihung soll dann im Dezember stattfinden.

Einige der Nominierten werden schon länger als Kandidaten für den Literaturnobelpreis gehandelt, wie etwa der New Yorker Schriftsteller Thomas Pynchon, der mit dem postmodernen Roman Die Enden der Parabel bekannt wurde. Auch der israelische Autor Amoz Oz (Eine Geschichte von Liebe und Finsternis) ist schon länger für die höchste Auszeichnung des Literaturbetriebs im Gespräch. Auf der Liste stehen gleichzeitig auch populäre Figuren wie Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling und der britische Fantasyautor Neil Gaiman (American Gods).

Der Jury steht die Journalistin Ann Pålsson vor. Weitere Mitglieder sind unter anderem die Literaturprofessorin Lisbeth Larsson und die Journalistin und Bibliothekarin Marianne Steinsaphir.