Die österreichische Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Dies bestätigte am Freitag der Residenz Verlag in Wien. Zuerst hatte der ORF darüber berichtet.

Nöstlinger hat mehr als 100 Bücher veröffentlicht, ihre Werke wie Die feuerrote Friederike, Maikäfer, flieg! oder Gretchen Sackmeier sind internationale Klassiker.

Nöstlinger wurde am 13. Oktober 1936 in Wien geboren und wuchs dort im Arbeitermilieu der Vorstadt auf. Sie machte Abitur und studierte Gebrauchsgrafik an der Akademie für Angewandte Kunst. Einige Jahre arbeitete sie in ihrem Ausbildungsberuf, zwischenzeitlich auch als Journalistin. Zur Schriftstellerei kam sie 1970 mit Die feuerrote Friederike, für das sie zunächst die Illustrationen gezeichnet hatte. Erst danach schrieb sie auch einen Text dazu.

Witzig-aufmüpfig über die Probleme der Gesellschaft

Der Erfolg ihres ersten Buchs war überwältigend: Es traf den Zeitgeist durch seinen witzig-aufmüpfigen Ton und schien den Prototyp eines emanzipatorischen Kinderbuchs zu repräsentieren. Überrascht durch den breiten Zuspruch ließ Nöstlinger nun Jahr für Jahr witzig-freche Kinder- und Jugendbücher folgen, die an ihr schriftstellerisches Debüt nahtlos anknüpfen konnten.

Der 1972 für ihren Roman Die Kinder aus dem Kinderkeller (1971) verliehene Friedrich-Bödecker-Preis und der Deutsche Jugendliteraturpreis für Wir pfeifen auf den Gurkenkönig (1972) eröffneten eine lange Reihe auch internationaler Ehrungen für die Schriftstellerin.

Nöstlingers Kinderbücher waren von einem antiautoritären Erziehungsstil geprägt. Wichtig war ihr immer der Kampf gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung. Auf humorvolle Weise setzte sie sich mit Problemthemen auseinander. Sie schilderte Milieus realistisch, übte Sozialkritik und schreckte auch vor Dialekt nicht zurück. Nicht nur bei Kindern, auch bei Erwachsenen erfreute sich Nöstlinger großer Beliebtheit, etwa ihre Dialekt-Gedichtbände Iba de gaunz oaman Kinda (1974), Iba de gaunz oaman Fraun (1982) und Iba de gaunz oaman Mauna (1987).

Die Autorin verfasste selbst Drehbücher, Hörspiele und Theaterstücke und arbeitete – unter anderem als Literaturkritikerin – für verschiedene Medien. In ihren auch in Buchform erschienenen Zeitungskolumnen zeigte sich das gesellschaftliche, politische Engagement der Autorin, die von 1997 bis 1998 Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch war.

Nöstlinger wollte keine Kinderbücher mehr schreiben

Jüngst wurde das Kinderbuch Maikäfer, flieg! über das Leben im nach dem Zweiten Weltkrieg zerbombten Wien verfilmt."Es ist Krieg. Es ist schon lange Krieg. Ich kann mich überhaupt nicht mehr daran erinnern, dass einmal kein Krieg war", heißt es darin.

Wenige Wochen vor ihrem Tod hatte Nöstlinger zudem bekannt gegeben, sie wolle keine Kinderbücher mehr schreiben. "Meine eigene Kindheit ist schon eine historische und die meiner eigenen Kinder auch schon bald. Es ist alles sehr, sehr anders geworden, und ich verstehe es nicht mehr. Das heißt nicht, dass ich ein abfälliges Urteil über heutige Kinder hätte", sagte Nöstlinger dem Magazin News.