Der russische Schriftsteller und Dissident Wladimir Woinowitsch ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Das bestätigte seine Familie gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Tass. Berichten zufolge erlag er einem Herzanfall. Er soll am Montag in Moskau beigesetzt werden.

Wegen seiner systemkritischen Erzählungen und seines Engagements für Menschenrechte geriet Woinowitsch mehrmals mit den sowjetischen Autoritäten aneinander. 1974 schloss ihn der sowjetische Schriftstellerverband aus, 1980 entzog die Sowjetunion ihm die Staatsbürgerschaft. Bis 1990 lebte der Autor daher in Westdeutschland.

Im Exil schrieb er 1986 den dystopischen Roman Moskau 2042, in welchem er eine kommunistische Hauptstadt der Zukunft beschrieb. Auch in Ein Vorfall im Hotel Metropol übte er anhand von alltäglichen Unzulänglichkeiten Kritik an der sowjetischen Planwirtschaft. Zuvor war Woinowitsch auch durch den Schelmenroman Die denkwürdigen Abenteuer des Soldaten Iwan Tschonkin bekannt geworden, der in den 1960er und 1970er Jahren im westlichen Ausland veröffentlicht wurde.

Woinowitsch schrieb in seiner frühen Schaffensphase auch zahlreiche Lieder. Unter anderem verfasste er den Text zu 14 Minuten bis zum Start, das zur inoffiziellen Hymne der russischen Kosmonauten wurde.

Russische Kulturschaffende bezeichneten Woinowitschs Tod als großen Verlust. "Er war ein Mann mit Prinzipien, an die er sich sein Leben lang gehalten hat", sagte der Schriftsteller Igor Wolgin. Der russische Kulturminister Wladimir Medinski sagte, Woinowitsch sei ein Mensch mit klaren Positionen gewesen. "Sein Schaffen war immer ein scharfer Schnitt der Wirklichkeit, meisterhaft vermittelt mit einer lebendigen und unterhaltsamen Sprache", schrieb er in einem Telegramm an die Angehörigen. Woinowitsch habe auch einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Meinungsfreiheit geleistet.

Woinowitsch galt als bedeutender Zeitkritiker seines Landes und hat mehrere Preise erhalten, darunter 2016 den Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte.

Woinowitsch wurde 1932 in Stalinabad geboren, dem heutigen Duschanbe im zentralasiatischen Tadschikistan. Nach dem Zweiten Weltkrieg machte er eine Handwerkerausbildung und arbeitete zunächst in einer Aluminiumfabrik. Ab 1956 studierte er in Moskau und arbeitete als Redakteur beim sowjetischen Radio.