ich pflücke mir

Von Özlem Özgül Dündar

ich kaue und kaue die worte zusammen. ich zermalme sie und verdrehe und mahle sie. zwischen meinen zähnen löse ich die worte auf. zerlege sie in ihre bestandteile. löse sie auf. und löse sie. und sie sind ganz losgelöst von ihren zusammenhängen und ihre zusammenhänge und bedeutungen verlöschen in meinem gedächtnis. die worte verlöschen und die sprachen verlöschen und mit ihnen ihre sätze und ihre regeln. und ihre grenzen verlöschen in gänze.

und die worte meiner sprachen liegen aufgelöst in mir. und ihre teile schwimmen in meinem kopf. und ich pflücke mir aus ihren teilen, was ich brauche, für das, was ich sagen will. ich pflücke wild und frei. und ich pflücke und mache alles mit den teilen der sprachen, die regellos und grenzenlos in mir aufgelöst liegen.

um den raum der fiktion zu betreten, zermahle ich die sprachen in mir. und pflücke heraus, was ich für die fiktion brauche, was zu ihr am besten passt. und ich erfinde wild und frei. und ich lege zusammen, wie es für die fiktion im text am besten passt. und ich forme kugeln aus den teilen wie sie am besten klingen. und ihre grammatiken und ihre strukturen sind verloschen in mir. ich nehme mir, was ich brauche aus dieser fein gemahlenen masse. schreibe in neuen worten und sätzen. schreibe in worten und sätzen, wie ich sie brauche in der fiktion, um die literatur zu schreiben, die in meinem kopf schwirrt, die mir vorschwirrt.

und die sätze sind holprig für deine ohren. und die worte sind unbekannt für deine ohren. und du hörst worte, die dich an etwas erinnern, das du kennst. an worte und sätze die kommen dir bekannt vor und sind es doch nicht, denn ich habe die worte, die du kennst, und alle worte aus allen sprachen, die ich kenne, zusammengelegt und gekaut und gekaut und zermalmt und zerlegt, bis sie in ihren zusammenhängen und bedeutungen, die dir bekannt sind, verlöscht waren und dann begann die sprache der fiktion, dieser einen, die ich schreiben will.

und die sprache entsteht immer wieder. und sie verwirrt dich immer wieder in ihrer neuen form. und jede fiktion hat ihre eigene sprache, kann ihre eigene sprache haben, aus allen sprachen, die es gibt, vermischt zu etwas neuem werden. und dann vermischen sich die sprachen, rutschen ineinander und zerlegen sich gegenseitig. und ihre teile verlaufen ineinander und verändern sich gegenseitig, mit meinem mund gesprochen, mit deinem gelesen und immer wiederholt.

die fiktion ist der raum, ohne regeln von außen. die regeln, die ich kenne und die du kennst, lösen sich auf in diesem raum, und es gibt neue sprachen und neue wesen, die aus der fantasie entspringen und meins werden und deins werden, und jede fiktion hat ihre eigene sprache und sie verwirren uns und vermischen unsere regeln und unsere gedanken und formen immer wieder neues.