Im Prozess um die Vergewaltigungsvorwürfe im Umfeld der Schwedischen Akademie hat das Gericht Untersuchungshaft gegen den Angeklagten Jean-Claude Arnault verhängt. Anklägerin Christina Voigt begründete ihre Forderung mit Fluchtgefahr. Sie forderte zudem drei Jahre Haft für den 72-Jährigen. Die Akademie vergibt jährlich den Literaturnobelpreis. Wegen der Vorwürfe ist die Vergabe im Jahr 2018 ausgesetzt.

Arnault sei "sehr schockiert" über die Untersuchungshaft, sagte sein Anwalt Björn Hurtig. Der Ehemann eines langjährigen Akademiemitglieds steht wegen des Vorwurfs der zweifachen Vergewaltigung einer Frau vor Gericht. Der Anklage zufolge soll Arnault im Jahr 2011 die "stark verängstigte" Frau zum Sex gezwungen haben. Monate später habe er sie im Schlaf überfallen.

Darüber hinaus wurde er von insgesamt 18 Frauen wegen sexueller Übergriffe beschuldigt. Nach Recherchen der Zeitung Dagens Nyheter soll Arnault über Jahre hinweg weibliche Mitglieder der Akademie, Mitarbeiterinnen sowie Frauen und Töchter von Akademiemitgliedern sexuell belästigt oder missbraucht haben. Arnault bestreitet die Vorwürfe.

Arnault war Leiter eines Kulturvereins, der mit Geldern der Schwedischen Akademie finanziert wurde. Seine Frau Katarina Frostenson hatte jahrelang über die Vergabe von Mitteln für den Verein entschieden. Eine Anklage wegen Korruption wurde jedoch aus Mangel an Beweisen fallengelassen. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe entschied die Mehrheit der Akademie, dass Frostenson im Amt bleiben könne. Mehrere Jurymitglieder legten daraufhin aus Protest ihre Ämter nieder. Im Mai kündigte die Akademie an, 2018 keinen Literaturnobelpreis zu vergeben. Die Vergabe soll im nächsten Jahr nachgeholt werden.